Die Premieren der Opernfestspiele reichen von Wagner und Rimski-Korsakow bis Nikolaus Brass.

Ein bisschen Glamour gehört dazu: der rote Teppich der Opernfestspiele | © Wilfried Hösl

Der Münchner Opernsommer fällt 2018 besonders experimentierfreudig aus. Das liegt nicht nur an der Münchener Biennale für neues Musiktheater, auch die Bayerische Staatsoper steuert mit der Festspiel-Werkstatt ihrer Opernfestspiele zwei Uraufführungen bei. Eine davon ist »Die Vorübergehenden« von Nikolaus Brass: »Mein Musiktheater ist die Organisation einer großen Melodie – als szenisches und musikalisches Ordnungsprinzip.« In der Reithalle wird das Publikum mitten im Klangraum des Geschehens sein, wird der Hörer verschiedene Perspektiven einnehmen und dabei erleben, wie Vergangenheit und Gegenwart auf utopische Weise zusammenfließen. Nach Texten von Tomas Tranströmer, Rose Ausländer und Mahmout Darwish thematisiert Brass den rasenden Stillstand des Lebens: »Die Konstellation ist ähnlich der Traumrealität konkret und zugleich mythisch. Der ›Vorübergehende‹ erlebt in einer Art Wachtraum Szenen seines Lebens, sieht sich in verschiedenen Lebensaltern gespiegelt. Der ›Moment ruhelosen Stillstands‹erfasst den Protagonisten stellvertretend für uns als Mitglieder einer ruhelos stillstehenden Gesellschaft, die sich ständig zu vergewissern sucht, wer sie ist, wer wir sind.« Auf musikalischer Ebene ist instrumental wie vokal alles aus der Linie des Singens gewonnen, was vieles heißen kann: »Atmen, rufen, sich bewegen, verstummen, Geräusch machen. Ausgangspunkt ist das lautgebende Ich, das vielfach aufgespalten ist, während das Orchester der Hallraum der seelischen Bewegung(en) der Protagonisten ist.«

Eine andere Uraufführung der Festspiel-Werkstatt inszeniert das Musiktheaterkollektiv HAUEN UND STECHEN: eine Antiheilsgeschichte nach Nikolai Rimski-Korsakows »Snegurotschka«. Auf der Vorlage der fantastischen Oper vom Schneeflöckchen entwickeln Julia Lwowski und Franziska Kronfoth eine dystopische Szenerie: »Die Menschen verstehen die Natur nicht mehr. Seit Jahren macht sich die Sonne rar, und so leben sie in einem meteorologischen Ausnahmezustand. Auch in der Welt der Elementargeister ist nicht alles in Ordnung. Aus der Liaison zwischen Wintergeist und Frühlingsgöttin ist ein illegitimes Kind hervorgegangen: Snegurotschka. Könnte das Mädchen allein durch seine ungewöhnliche Existenz schuld an den Wirren des Wetters sein?« In dieser Performance für Sänger, Schauspieler und kleines Instrumentalensemble dienen surreale Phantasmen also als Folie für eine höchst aktuelle Reflexion des Klimawandels.

Zeitgleich zu Rimski-Korsakows »Snegurotschka« entstand Richard Wagners letztes Musikdrama: das Bühnenweihfestspiel »Parsifal«, das mit Jonas Kaufmann in der Titelpartie und unter der musikalischen Leitung von Kirill Petrenko Premiere feiert. Die Inszenierung von Pierre Audi behandelt »Wunden, die sowohl im einzelnen Menschen und in den Gemeinschaften brennen«. Am Ende des langen Festspielsommers erfährt Joseph Haydns komisches Heldendrama »Orlando Paladino« auf der Bühne des Prinzregententheaters eine mutmaßlich schräge Interpretation durch Filmemacher Axel Ranisch. Viel Oper diesen Sommer. ||

MÜNCHNER OPERNFESTSPIELE
Reithalle u. a.| 24. Juni bis 31. Juli
verschiedene Zeiten | Tickets: 089 21851903