In der fabelhaften GOP-Show »Kawumm« reist ein Buchhalter in fantastische Traumwelten.

Der Büroschlaf von Herrn Mutzmann alias Buddha (Markus Pabst) gebiert bunte Träume| © Carolin Saage

Auf seinem Schreibtisch türmen sich die Aktenordner. Seit 32 Jahren hockt der Buchhalter Herr Mutzmann im Büro vor seiner Rechenmaschine. Doch dann macht es eines Tages »Kawumm«, und plötzlich findet er sich in regenbogenbunten Wunderwelten wieder. Er kehrt in seine Kindheit zurück, Peter Pan, Pinocchio und Barbie tanzen um ein Schaukelpferd, auf dessen Kopf Saleh Prinz Yazdani freihändig auf dem Kopf schwebt. Aus nüchternen Zahlen werden Geschichten, wie aus der Venuszahl 5, aus der sich »Die wundersame Geschichte der Liebe« entspinnt. Wir begeben uns in wilden Sprüngen auf eine Zeitreise, in der das bizarr-verruchte Cabaret der 20er Jahre und das Discofieber wieder aufleben. Der bejubelte Chinese Ye Fei schmettert gänsehauttreibend »Nessun dorma«. Der Collins Brother und Blödelkönig Helmut dreht sich zu Rammsteins Hochzeitslied »Du hast« im Betonmischer, und der Pianist und Sänger Jack Woodhead, der den Abend charmant und gewitzt begleitet, sorgt für einen Hauch von »Rocky Horror«-Feeling.

Mit der seinem Vater gewidmeten Show »Kawumm – die wundersame Geschichte vom dicken Mann, der beinahe nichts konnte« hat sich Markus Pabst, der Erfinder von Erfolgsprogrammen wie »Dummy« und »Wet«, einen Herzenswunsch erfüllt. Als braver Buchhalter, der sich aus seinem mausgrauen Alltag fortträumt und in einer herrlich schrägen Nummer schließlich seinen Bauch und seine Glatze als Rhythmusinstrumente anbietet, steht Markus Pabst erstmals seit vielen Jahren wieder auf der Bühne. Dafür hat er eine originelle und schön verrückte Mischung aus Erzählelementen und artistischen Acts kreiert, mit der er auch an die literarisch-politische Tradition des Cabarets anzuknüpfen versucht. So führt er zwischendrin als Papst maskiert eine Prozession herein, verkehrt Parolen zur Obrigkeitshörigkeit in ihr Gegenteil und hält eine Predigt gegen die wieder erstarkende Intoleranz und ein flammendes Plädoyer für Vielfalt und den Mut, seine Träume wahr zu machen. Das ist menschlich sehr sympathisch. Ob man den längst von der Werbeindustrie und Hochleistungsideologie vereinnahmten »Lebe deinen Traum«-Slogan noch hören mag, ist allerdings Geschmackssache, und ob er wirklich in jedem Fall weltrettend ist (auch Trump lebt seinen Traum), darüber lässt sich streiten.

Die Begeisterung für die tolle Show schmälert dies nicht. Man darf sich darin über viele fantastische junge Artisten freuen wie den Ganzkörperjongleur Donial Kalex, der mit LED-Sticks einen Farben- und Formenrausch in die Luft malt, die berückende Trapezkünstlerin Anna Shvedkova oder den Weltmeister im Breakdance Alessandro Di Sazio, der mit schwindelerregender Rasanz um den Chinesischen Mast turnt. Klasse! ||

KAWUMM
GOP Varieté-Theater| bis 22. Juli | Mi bis Fr 20 Uhr | Sa 17.30 und 21 Uhr | So 14.30 und 18.30 Uhr | Tickets: 089 210288444

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