Der Vatikan ermöglicht Wim Wenders eine ganz persönliche Reise mit Papst Franziskus.

Wim Wenders und Papst Franziskus bei den Dreharbeiten | © Universal Pictures

»In meinem Lebensplan war nicht vorgesehen, einen Film mit dem Papst zu machen«, gesteht der bekennende Katholik Wim Wenders anlässlich der Filmvorführung seines neuesten Films bei den Festspielen in Cannes. Doch es ist die Kommunikationsabteilung des Vatikans, die im Herbst 2013 Kontakt zu Wenders aufnimmt, um mit ihm über ein Filmprojekt zu sprechen: keine Auftragsarbeit, freie Finanzierung, keine Vorgaben, Wenders darf die Archive im Vatikan nutzen. Rechtzeitig zum fünfjährigen Pontifikat von Papst Franziskus kommt der Film nun in die Kinos. Im Zentrum stehen vier lange Interviews, die im Vatikan mit einer speziellen Kameratechnik gedreht wurden. Wenders verzichtet auf einen Fragesteller oder Stichwortgeber und lässt den Pontifex seine Botschaften für alle direkt in die Kamera sprechen: Der Zuschauer und der Papst gleichsam »Auge in Auge«. Franziskus’ Sätze wie »Solange eine Kirche ihre Hoffnung darauf setzt, reich zu sein, ist Jesus darin nicht zu Hause« verstärkt Wenders noch einmal durch Inserts mit dem gleichen Wortlaut.

Spielszenen in Schwarz-Weiß, die das Leben des Namensgebers Franziskus von Assisi in kurzen Stationen zusammenfassen, unterstreichen die Besonderheit dieses Papstes: der Radikalheilige steht für eine Kirche der Armen. Papst Franziskus sieht sich in dieser Tradition, verzichtet auf Prunk bis hin zum Fiat 500 als Dienstwagen. Er sucht immer wieder die Begegnung mit den Ärmsten an den Rändern dieser Gesellschaft. Sehr suggestive Kamerabilder aus dem Archiv von Menschenansammlungen, die dem Papst zujubeln, lassen uns an diesen Begegnungen teilhaben. Er wie Wenders ersparen uns nicht die direkte Konfrontation mit Armut, Krankheit und Verzweiflung, die uns in Aufnahmen mit Flüchtlingen, Strafgefangenen oder Katastrophenopfern nahe rückt.Der heutige Papst ist der erste aus Südamerika und der erste Jesuit. Leider erfährt man nichts über seine Sozialisation in Argentinien und seinen Werdegang in einer Diktatur. Oder über seinen Aufenthalt in Deutschland, als er eine Auszeit von der Kirche in seinem Heimatland nehmen musste.

Das Ergebnis ist kein Dokumentar-, sondern ein Propagandafilm der anderen Art: feinsinnig und eindringlich plädierend für Solidarität, soziales Engagement, Bescheidenheit, Schutz der Umwelt, Kampf gegen Ungerechtigkeit – Werte, für die es sich in unserer neoliberalen, entfesselt kapitalistischen Zeit wieder einzutreten lohnt. Nicht die Reichen und Schönen stehen für Papst Franziskus im Zentrum, sondern die Begegnung mit den Mühseligen und Beladenen an den Brennpunkten unserer Welt. Wenders lässt uns für einen Moment innehalten mit der Frage: »Was tun wir jetzt eigentlich?« Der Papst fordert: »Wir brauchen und wir wollen einen Wandel« – eine Herausforderung an uns alle. ||

PAPST FRANZISKUS – EIN MANN SEINES WORTES
Dokumentarfilm | Deutschland, Italien, Schweiz, u. a. 2018 | Regie: Wim Wenders | 96 Minuten
Kinostart: 14. Juni 2018
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