Giant Sand wollten eigentlich nicht mehr touren. Jetzt sind die Rocker aus Arizona trotzdem unterwegs.

Howe Gelb (Mitte) im Kreise seiner Giant Sand | © Charlie Stout

Als OP8, ein Seitenprojekt der US-amerikanischen Band Giant Sand, in der Muffathalle spielte, fehlte deren Sänger Howe Gelb. Er hatte die Tournee abgebrochen, um seinen Freund Rainer Ptacek zu besuchen, der damals im Sterben lag. Ein Schild am Eingang zur Konzerthalle wies darauf hin. Und auch die restliche Band betonte zum Konzertbeginn das Fehlen Gelbs. Karten könnten noch an der Abendkasse umgetauscht werden, hieß es, nachdem auch noch der traurige Grund für Gelbs Abstinenz erläutert wurde. Trotzdem war später in einer Konzertkritik zu lesen, dass Howe Gelb unkonzentriert wie eh und je in der Muffathalle gewesen wäre. Dabei brillierte statt seiner zum ersten Mal der damalige Giant-Sand-Bassist Joey Burns als Ersatzsänger. Gemeinsam mit dem Giant-Sand-Schlagzeuger John Convertino gründete er zugleich den Ableger Spoke, aus dem die erfolgreiche Formation Calexico hervorging. Als diese dann allerdings mal einen lukrativen Auftritt einem Konzertangebot für Giant Sand den Vorrang gaben, kam es zum Split und Howe Gelb gründete alsbald in Dänemark seine neue Band Giant Giant Sand.

Natürlich wurde die dann auch mal mit ihrer Vorgängerversion samt den Calexico-Masterminds verglichen. Dabei übersahen nicht wenige Kritiker allerdings, dass es schon vor dem Dreigestirn Howe Gelb, John Convertino und Joey Burns eine andere Gruppierung um Howe Gelb gab, die wieder Anfang der 80er Jahre aus dessen Band mit Rainer Ptacek, nämlich Giant Sandworms, hervorging. Schon 1983 aufgenommen, erschien deren Debüt »Valley Of Rain« erst 1985, also lange bevor Convertino und Burns die Band verstärkten. Dafür saß zum Beispiel Winston Watson am Schlagzeug, der später in den Bands von Bob Dylan und Alice Cooper arbeitete. Auf ihrer Abschiedstournee spielte Giant Sand 2016 plötzlich wieder die Songs jenes ersten Albums, das nach Meinung der Band ohnehin noch mit den falschen Verstärkern eingespielt wurde. Gelb hatte nämlich erst nach den ersten Aufnahmen den besseren Klang eines Röhren-Amps entdeckt. Wie viel kräftiger wirkten die Songs darum, als er sie auf der Abschiedstournee von Giant Sand jetzt mit dem besseren Equipment spielte. Als wollte die Band davon inspiriert nicht vollends ins Jenseits abtauchen, bevor sie nicht ihre Fehler im Diesseits korrigiert hätte, nahm sie das Album also noch einmal mit einem Fender-30-Röhrenverstärker auf. Das Ergebnis überzeugte alle Beteiligten so sehr, dass allen Farewell-Beteuerungen zum Trotz Giant Sand nun mit ihrem über dreißig Jahre alten und zugleich neu eingespielten Debütalbum tourt. ||

GIANT SAND
Feierwerk| Hansastraße 39 | 28. Mai| 21 Uhr
Tickets: 01806 570070