Thomas M. Meinhardt inszeniert die Angst bindungsferner Großstädter vor der Verbindlichkeit in der Liebe als vergnügliche Seminarveranstaltung.

»Leaving on a jet plane«, allerdings nicht in der Version von Peter, Paul & Mary, gibt den Takt vor und wabert durch Thomas M. Meinhardts Inszenierung von »Fuck you, mon amour« im Zentraltheater. Aus welchen Gründen Autor Martin Becker seine Antiliebeskomödie in Flugzeugen und Flughafenhotels spielen lässt, bleibt rätselhaft. Vielleicht hatte er eine längst vergangene Zeit vor Augen, als das Fliegen noch Glamour hatte. Heutzutage verbindet man mit Flughafenhotels eher Tristesse, verpasste und verspätete Flüge. Verpasst haben Allen und Florence, das glücklich unglücklich liebende Paar, den Absprung voneinander. Ganze zwei Tage nach der Trennung haben sie sich nicht gesehen, bevor sie wieder anfingen sich zu treffen. Das On und Off war aber auch nichts. Und so sehen sie sich einmal im Jahr in besagtem Hotel.

Die fünf Phasen des Liebeskummers haben die beiden wohlweislich übersprungen, vor allem Punkt fünf: das Leben danach. Friederike Sipp und Sebastian Gerold als Florence und Allen sind echt sympathisch, sie ein wenig zappelig, er eher so der verträumte Typ. Wo zum Teufel ist das Problem, fragt man sich und den Autor, der diese eher dünne Geschichte ursprünglich als Hörspiel konzipiert hatte. In Meinhardts Inszenierung übernimmt Ursula Berlinghof alias Dr. Fuchs die Rahmenhandlung. Grundgütig grinst sie ins Publikum, nur die grünen Sneaker zum muttigen Strickjackenoutfit bezeugen einen Hang zur Extravaganz. Berlinghof begleitet mal als Stewardess, mal als Therapeutin Florence, Allen und das Publikum mit komischer Trockenheit durch die Irrungen bindungsferner Großstädter.

Die spielen sich auf einer schwarzen Bühne ab, deren variable Blöcke als Bett, Bar oder Flugzeug dienen. Nicht von ungefähr erinnert die ausfahrbare Filmleinwand an Unterrichtstunden, seziert Dr. Fuchs doch unerbittlich das therapeutische Sahnestückchen der gescheiterten Entliebung. Von transienter linksventrikulärer apikaler Ballonierung ist auch die Rede, was nichts anderes bedeutet als Gebrochenes-Herz-Syndrom. Nur: Leiden Florence und Allen überhaupt an gebrochenem Herzen? Mit einer gewissen Lust an der Gemeinheit stellt Berlinghofs Dr. Fuchs fest, dass die beiden wohl obdachlos wären, wohnten sie nicht in ihrem Liebeskummer. Mit anderen charmanten Lebewesen (Rilana Nitsch, Sandro Kirtzel und Daniel Wittmann) anzubändeln, ist kein Problem, man hat ja keine Beziehung. Oder doch? Versuchsweise keinen Kontakt haben, wie Florence vorschlägt, haut nicht hin. Denn wem soll sie denn dann schreiben, bevor sie ins Bett geht, gibt Allen zu bedenken. Von konkreter Kummerbewältigung kann also keine Rede sein, moniert Dr. Fuchs und bricht eine Lanze fürs ehrliche Alleinsein.||

Fuck you, mon Amour
Zentraltheater | Paul-Heyse-Str. 28 | 14., 16., 17. Mai | 19.30 Uhr | Tickets: 089 30659486