Am Gärtnerplatztheater ist Donizettis »Maria Stuarda« neu im Programm. Ganz im Sinne des Komponisten.

Nadja Stefanoff als Elisabetta| © Christian POP Zach

Frech war das schon. Denn Gaetano Donizetti hatte Elisabeth I. auf der Bühne die zweite Reihe zugewiesen, hinter ihrer Cousine Maria Stuart, deren Seelenkämpfe und Leidenschaften ihm wichtiger waren. Überhaupt ist »Maria Stuarda« zur Zeit ihrer Entstehung der Konkurrenz konzeptuell um einiges voraus, stellt sie doch innere Entwicklungen und Verwicklungen anstatt des üblichen klischeehaften höfischen Tändelns in den Mittelpunkt. Insofern ist es nur konsequent, wenn auch die Neuinszenierung der Oper von 1834/35 am Gärtnerplatztheater (Regie: Michael Sturminger, Ricarda Regina Ludigkeit) vor allem Wert auf die Ausgestaltung der Figuren legt. Die Bühne (Andreas Donhauser) wird auf ein abstraktes Glashaus und ein ebenso geometrisch karges Verlies beschränkt, während mit den üppigen Kostümen (Renate Martin) einerseits die Historizität (Elisabetta, Maria im 1. Akt) und die Individualität (Maria im 2. Akt) betont wird. Die Männer sind schon in der Anlage blass, Einflüsterer und Intriganten (Cecil: Matija Meić), hilf- und orientierungslose Liebhaber (Roberto: Lucian Krasznec) oder harmlose Moralisten (Talbot: Levente Páli), letztlich Statisten des Kräftemessens zweier zwischen Machtstreben und Lebensglück oszillierender Frauen.

Und die haben es in sich. Denn Nadja Stefanoffs Elisabetta ist trotz aller angedeuteter Zweifel eine Egomanin, die ihre oft harten Arien bis auf eine kleine burleske Andeutung im ersten Akt mit unbarmherziger Bosheit singt. Aber auch Jennifer O’Loughlins Maria Stuarda ist keine ungebrochene Identifikationsfigur, obwohl ihr von der Regie im zweiten Akt Momente des Persönlichen eingeräumt werden. Stimmlich brillant unterstreicht sie ihre Position als die vermeintlich Stärkere, die jedoch am Ende dem Richtblock und der über dem Schafott thronenden Elisabetta entgegengehen muss. Anthony Bramall unterstützt diese sich aus den Figuren ergebende Dramatik mit weiser Umsicht am Pult des Orchesters, manchmal ein wenig zurückhaltend, wo noch etwas mehr Energie hätte passen können. Insgesamt jedoch wirkt »Maria Stuarda« ganz im Sinne Donizettis umgesetzt, ernst und im Detail prachtvoll als ungleicher Zickenkrieg der Monarchinnen. ||

MARIA STUARDA
Gärtnerplatztheater | 25. Mai, 19.30 Uhr | 6., 31. Mai| 18 Uhr | Tickets: 089 21851960