Mit prominenter Band verbindet Anouar Brahem die Musikkulturen. Ein Erlebnis.

Anouar Brahem – Meister der Zwischentöne| © Marco Borggreve

Seine Geschichten auf der arabischen Laute beginnen zart, mit vereinzelten Tönen, zwischen denen viel Raum für Assoziationen ist. Seit Anfang der 90er Jahre ist der tunesische Oud-Virtuose Anouar Brahem als musikalischer Brückenbauer zwischen Orient und Okzident unterwegs. Dabei allerdings weniger daran interessiert, Verschiedenes, Fremdes unter einen Hut zu bringen, als vielmehr Grenzen auszuloten. Was der Künstler mit meditativ anmutendem, arabeskem Spiel beginnt, kann dann im Zusammenwirken mit Kollegen eine sich verdichtende Dramaturgie entwickeln und Feuer fangen.

Auf der aktuellen CD, die er am 14. April in der Philharmonie im Gasteig präsentiert, spielt der 1957 in Tunis geborene Brahem mit seinem langjährigen Partner Dave Holland zusammen. Neben dem renommierten englischen Jazzbassisten ergänzen dessen Landsmann, der Pianist Django Bates, und der amerikanische Schlagzeuger Jack De Johnette das Brahem-Quartett zu einer prominent besetzten Supergroup des klarkulturellen Crossovers. »Blue Maqams« heißt das Programm, das sie in New York aufgenommen haben. Aufden mit gehörigem Bluesfeeling versetzten arabischen Tonleitern und Modi unternehmen sie musikalische Ausflüge nach Brasilien (»Bahia«), in die Wüste (»La Nuit«), oder in den Iran (»Persepolis«). »Ich begann wie meistens«, schreibt Brahem in seinem Begleittext zu »Blue Maqams«, »indem ich die Ideen erst mal kommen ließ, ohne eine bestimmte Tendenz in die eine oder andere Richtung hinsichtlich Stil, Form und Instrumentierung.« Als die Arbeit konkreter wurde, so Brahem, habe er Klänge von Oud und Klavier zusammenbringen wollen. Dann sei plötzlich der Wunsch entstanden, eine Jazz-Rhythmusgruppe dazuzunehmen. Brahem, der seit den 80er Jahren mit Jazzmusikern zusammenarbeitet, reizt das Andersartige ebenso wie das Verbindende zwischen arabischer Musik und Jazz. »Zweifellos gibt es eine gewisse Spontaneität in der arabischen Musik, nämlich eine Art zu spielen, die es den Musikern erlaubt, sich einige Freiheiten gegenüber dem Notentext zu gestatten; und das spiegelt vielleicht auch das, was im Jazz passiert.« ||

ANOUAR BRAHEM
Philharmonie| 14. April| 20 Uhr | Tickets: 089 54818181

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