Armando Iannucci inszeniert in »The Death of Stalin« die kaltblütigen Machtkämpfe innerhalb der Sowjetregierung als tiefschwarze Satire. Und das funktioniert wunderbar.

Jason Isaacs in »The Death of Stalin« © Concorde Filmverleih GmbH

Dieser Film ist »schlecht«. Er ist außerdem noch »langweilig, niederträchtig, abstoßend und beleidigend«. Jedenfalls wenn es nach Jelena Drapeko geht, ihres Zeichens Vorsitzende der militärgeschichtlichen Vereinigung Russlands. Und mit diesem Urteil ist sie in ihrer Heimat offensichtlich nicht allein. Armando Iannuccis großartige Satire »The Death of Stalin« wird nicht in den russischen Kinos zu sehen sein.

Aber erst mal zum Anfang, in diesem Fall dem Ende Josef Stalins. Nach einem feuchtfröhlichen Abend mit seinen Gefolgsleuten wird der Diktator von einem Schlaganfall heimgesucht. Die obligatorische Trauer unter den Parteigenossen hält jedoch nicht lange an. Noch während Stalin in den letzten Zügen liegt, beginnen die Machtkämpfe unter den potenziellen Nachfolgern. Vor allem Nikita Chruschtschow (Steve Buscemi) und Lawrenti Beria (Simon Russell Beale) leben ihre erbitterte Gegnerschaft offen aus. Was folgt, ist eine komplette Farce. Denunziationsdrohungen in alle Richtungen, der stets überforderte Georgy Malenko (Jeffrey Tambor) wird als Pseudoregierungschef aufgestellt, Stalins tobsüchtiger Sohn Wassili (Rupert Friend) meint auch noch etwas mitreden zu müssen. Die Politik verkommt hier endgültig zum Boulevardstück – und das mitanzusehen ist göttlich. Die Verfilmung einer Graphic Novel von Fabien Nury und Thierry Robin verfügt nicht nur über ein großartiges Timing und das richtige Maß an Rasanz, sondern auch über ein herausragendes Schauspielerensemble, das von Jason Isaacs und Michael Palin vervollständigt wird. Jeder beherrscht hier das Wandeln auf dem schmalen Grat zwischen Ernst und Übertreibung.

Ein Film wie »The Death of Stalin« kann sehr schnell Gefahr laufen, zum Klamauk in Satireverkleidung abzudriften. Jedoch macht Iannucci aus den historischen Persönlichkeiten keine einfachen Knallchargen, die die Historie verwässern. Zwischen all dem Chaos sieht man sehr deutlich die berechnende Kaltblütigkeit, die den Willen zur Macht begleitet. Die Gewalt des sozialistischen Regimes wird nicht nur als ergänzendes Beiwerk inszeniert, sondern geht Hand in Hand mit dem abstrusen Herrschaftsstreben seiner Vertreter.

So funktioniert »The Death of Stalin« nicht nur als Geschichtsstunde in Sachen Sowjetunion. Auch wenn er direkt zeigt, wie ähnlich der Verlauf der russischen Geschichte weiterging – was für Frau Drapeko und das Kulturministerium sicher auch kein Grund zum Jubilieren war. Er zeigt die Mechanismen hinter jedem totalitären System, verdeutlicht, wie persönliche Interessen vor einer funktionierenden Politik stehen. Wohlgemerkt, die persönlichen Interessen von Männern, die mit dem Transport eines bewusstlosen und einurinierten Tyrannen überfordert sind. ||

THE DEATH OFSTALIN
USA, Frankreich 2017| Regie: Armando Iannucci
Mit: Steve Buscemi, Jeffrey Tambor, Olga Kurylenko u. a.
107 Minuten | Kinostart: 29. März
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