Der Geiger Ilya Gringolts trifft das MKO und huldigt teuflischer Musik.

Ilya Gringolts| © Tomasz Trzebiatowski

Paganini – der Teufelsgeiger. Dem Violinisten Ilya Gringolts ist diese einfache Formel, die man für den legendären Virtuosen aus Genua gerne benutzt, ein bisschen viel Klischee. Aber damit ist der 35-jährige Geiger aus St. Petersburg, der heute Professor in Zürich ist, automatisch konfrontiert, wenn er mit einem Paganini-Konzert auftritt. Wie bei dem Projekt »Sympathy For The Devil«, das das Münchner Kammerorchester für das Faust-Festival 2018 beisteuert. Es geht um den Gegenspieler von Faust, um mephistophelische Abgründe in der Musik. Neben Boccherinis Sinfonie »La Casa del Diavolo«, George Crumbs Streichquartett »Black Angels« und Bachs »Musikalischem Opfer« ist Paganinis »Violinkonzert Nr. 1« mit Ilya Gringolts vorgesehen, ein Stück, mit dem ihn viel verbindet. Als 16-Jähriger gewann er 1998 den ersten Preis beim Paganini-Wettbewerb in Genua. »Paganini ist einer, der neue Wege fand«, sagt Gringolts. Wo andere Virtuosen seiner Zeit mit Perfektion und Schönheit beeindrucken wollten, habe der Italiener das Publikum schockiert »mit Tönen, die teilweise so aus der Violine gar nicht herauskommen durften«.

Gringolts, der nach seiner Ausbildung in St. Petersburg an die Julliard School in New York ging und bei Itzhak Perlman studierte, kennt sich mit all den verbotenen und unbekannten Techniken aus, mit denen Paganini sich seinen besonderen Ruhm schaffte. Mit seinem Streichquartett »Black Angels« reizt auch der amerikanische Komponist George Crumb diese Streichertechniken, die dem Schönklang zuwiderlaufen, aus. In seinem vom Vietnamkrieg inspirierten Werk lässt er die tremolierenden Saiten wie Moskitos klingen, während der Primarius Befehle brüllt. An anderer Stelle hört man seltsam entrückte Klänge, die entstehen, indem die Musiker mit den Bögen verschieden gefüllte Gläser anstreichen. Als Echomusik spielen sie zwischendurch immer wieder Teile aus Schuberts »Tod und das Mädchen« an. »Als Interpreten müssen wir das ganze chiaroscuro-Spektrum zu Geltung bringen«, erläutert Gringolts, sonst sei man als Künstler nicht glaubwürdig. Man müsse also in der Musik das Diabolische zumindest vortäuschen können, wie ein guter Schauspieler. Allerdings müsse »die Leidenschaft nicht unbedingt gleich dem Teufel gehören«.

Wenn Ilya Gringolts nicht als Solist mit Orchester auf Tournee ist oder Kammermusikkonzerte mit seiner Frau oder dem nach ihm benannten Quartett gibt, sorgt er mit unkonventionellen öffentlichen Auftritten für Aufmerksamkeit, zum Beispiel als Straßenmusiker vor einem Supermarkt in Zürich. Es ist eine der Aktionen, mit denen klassische Musiker bewusst aus dem üblichen Rahmen, in dem sie konzertieren, heraustreten, um durch Unkonventionalität das Gewohnte neu zu beleben. Und auch die Sympathie für den Teufel wird nicht im Konzertsaal, sondern im Foyer der Versicherungskammer Bayern zu hören sein, wo unlängst erst Murnaus »Nosferatu« live vertont über die Leinwand gruselte. Etwas Besonderes, auch für Teufelsgeiger. ||

ILYA GRINGOLTS / MÜNCHNER KAMMERORCHESTER: SYMPATHY FOR THE DEVIL
Versicherungskammer Bayern, Foyer
Warngauerstr. 30| 22. März| 19.30 Uhr
Tickets: Restkarten Abendkasse
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