Mit Musiktheaterschwerpunkt und doppelt so vielen Produktionen kehrt das »Anfänge(r)«-Festival für die Allerkleinsten als »Kuckuck« wieder.

»Holperdiestolper« – laufen lernen mit Figuren | © Christian Kleiner

Gleich zwei Mal geht es um die Wege, die kleine Füße schon gehen können. Um das Staunen über die ersten eigenen Schritte in »Holperdiestolper«, die einen zu allem, wohin die Neugier will, viel schneller hinkommen lassen. Was das sein kann – von der schimmernden Kastanie bis zum Freund fürs Leben – zeigen »die exen« aus Passau in »Unterwegs«. Bis dieses Stück für Kinder ab zwei Jahren über die Bühne geht, haben wir allerdings schon den halben Erlebnisparcours hinter uns, den das am 14. März beginnende »Kuckuck«-Festival für Groß und Klein bereithält.

»Kuckuck«? »Kuckuck« ist der neue Name für das Festival »Anfänge(r)«, das Mascha Erbelding vom FigurenTheaterForum im Münchner Stadtmuseum und Frank Striegler von der Familienbildungsstätte Elly Heuss-Knapp seit 2009 schon neun Mal gemeinsam gestemmt haben. Weil die Mittel für das noch immer neue Feld des Theaters für die Allerkleinsten knapp sind, hatten die beiden neben treuen Sponsoren immer auch eine Riesenportion Improvisationstalent und Zuversicht nötig, um jährlich bis zu fünf feine kleine (und meist im Nu ausverkaufte) Produktionen für Kinder unter sechs Jahren in die Stadt zu holen. Striegler: »Man muss dafür brennen, dann geht das schon!«

Neben dem neuen Label kommt heuer mit der Schauburg unter Andrea Gronemeyer auch ein finanzkräftigerer Partner mit ins Boot. Und auch er brennt. Gronemeyers Mannheimer Schnawwl war von 2006 bis 2008 Teil eines Pilotprojekts zur Erforschung der Möglichkeiten der in Deutschland mit einiger Verspätung angekommenen neuen Zielgruppenkunst. Ihr Mitwirken senkt sicher nicht die Qualität, erhöht aber die Zahl der Gastspiele im zehnten Festivaljahr mit einem Schlag auf acht – das Schauburg-eigene »Holperdiestolper« nicht mitgerechnet, das die neue Intendantin aus Mannheim mitgebracht hat. Ebenso wie den aktuellen Musiktheater-Schwerpunkt für das bisher reine Figurentheaterfestival und einen imposanten »Klang Spiel Platz«, der im Stadtmuseum zum Sich-Ausprobieren an allerlei Instrumenten und Alltagsgegenständen einlädt.

Aber auch einen Kompositionsworkshop bietet Kuckuck an. Das klingt ein wenig hochtrabend bei einem Festival, das mit »Trommeln« aus Belgien sogar acht Monate junge Babys willkommen heißt. Doch Zweifeln ist erlaubt. Gronemeyer erzählt von ihrer anfänglichen »sprechtheatergeschulten Skepsis«, Striegler davon, wie engagiert er auf einem Berliner Podium noch gegen Theater für Zweijährige gewettert hatte. Das war, bevor die Erweckungserlebnisse kamen, Begegnungen mit künstlerischer Sorgfalt, Einfallsreichtum und sehr viel Lust auf ein Publikum, das in der sogenannten vornarrativen Phase eigentlich ganz ähnlich angesprochen werden will wie aufgeschlossene Theaterzuschauer heute: mehr installativ und performativ als via Rollenspiel, mehr assoziativ als linear erzählend – und gerne mit allen Sinnen.

Dass herkömmliches Schauspielertheater das auch kann, zeigt das Stuttgarter JES in einem theatralen Suchbild nach dem Muster der Wimmelbücher von Ali Mitgutsch und Co. in »Unsere große Welt« (2+). Die Eröffnungsproduktion »Hui!« ist eine dahingehauchte bis stürmisch tönende Sache für einjährige Ohren mit drei Blasmusikprofis aus den Niederlanden, in »Zweieinander« (3+) erkunden ein Trompeter und ein Tombakspieler das Mysterium des Sozialen – und die »Painting Songs« laden Zweijährige zur Geräuscherforschung ein. Und auch wenn bei der Programmvorstellung der Hirnforscher Gerald Hüther zitiert wird – mit Synapsen, die sich in den ersten 19 Lebensmonaten bilden –, letztlich geht es vor allem darum, beim gemeinsamen Zuschauen und -hören lustige, verrückte und bereichernde Erfahrungen zu machen. Auch Münchner Theatermacher sind dazu eingeladen, denn hier ist in diesem Bereich noch viel Luft nach oben. Und da diese Theaterform meist ohne Sprache auskommt, ist sie auch für Nicht-Muttersprachler ideal: zum Beispiel eine südafrikanische Figurentheater-Produktion im Bunraku-Stil, die man sich laut Erbelding zum Jubiläum »gegönnt« hat, oder »Die Sachenfinderin« (3+), ein Objekttheaterstück aus Bad Waldsee mit Apfelkuchenduft inklusive. Mmh! ||

KUCKUCK THEATERFESTIVAL FÜR ANFÄNGE(R)
Schauburg am Elisabethplatz, Münchner Stadtmuseum/FigurenTheaterForum, Evangelische Familienbildungsstätte
Elly Heuss-Knapp| 14. bis 19. März
Termine und Kartenreservierung