Der Dokumentarfilm »Ganz große Oper« will die Münchner Staatsoper in Szene setzen, enttäuscht aber mit biederer Werbefilm-Ästhetik.

Szene aus dem Ballett »La Bayadère« | © KickFilm

Als Leiter der Abteilung XI Kunst und Kultur im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultur, Wissenschaft und Kunst ist Ministerialdirigent Toni Schmid nicht nur Herr über Museen und Sammlungen, dieHochschule für Musik und die für Film und Fernsehen, sondern auch über staatliche Theater. Wer in Bayern Intendant oder Museumsdirektor wird, bestimmt de facto Toni Schmid. Nun hat er u.a. mit Fördergeldern des Film Fernseh Fonds Bayern, in dessen Aufsichtsrat er sitzt, einen Dokumentarfilm über die Bayerische Staatsoper gedreht.»Ganz große Oper« heißt das Ergebnis, von einem großen künstlerischen Wurf kann nur leider nicht die Rede sein.

Herausgekommen ist eine filmische Imagebroschüre. Die Ästhetik ist bieder, wie im Schulaufsatz werden die Gewerke des Hauses abgearbeitet. Gerne bedient sich Schmid werbefilmtauglich des Stakkatos klischeehafter Bilder: Kostüme, Besucherinnen in Abendkleidern, Balletttänzerbeine, Kronleuchter, einsame Tütüs. Intendant Nikolaus Bachler kommt ausführlich zu Wort. Genauso wie einige Publikumslieblinge. Jonas Kaufmann, der »Carmen«-Gassenhauern einen Klang jenseits der abgenudelten Oberfläche entlockenkann,erzählt freundlich Anekdoten über seine Haare und ermuntert die Zuschauer, ruhig ohne Vorkenntnisse in die Oper zu gehen. Ivor Bolton plaudert über die französische Barockoper.

Peter Jonas schwärmt von der Kunstsinnigkeit der Münchener, die im 19. Jahrhundert ein Haus mit 2100 Plätzen für 54 000 Einwohner bauten. Wir erfahren, dass Bratschisten gesellig sind und dass Kirill Petrenko sich nicht interviewen lässt. Er hat keine Zeit für so was. Filmen darf man ihn aber schon. Und er scheint Freude an der Arbeit zu haben, macht einen aufgekratzten Eindruck. Ulrich Gärtner, Direktor Kostüm und Maske, behauptet, dass berühmte Sängerinnen nicht in Gewichten gemessen werden, auch nicht in der Schneiderei. Im Malersaal kommt der Werkstättenleiter Mathias Kaschube zu Wort, dabei würde man lieber wissen, wie die namenlose Malerin es macht, die kleine Zeichnung in ihrer Hand auf die große Leinwand am Boden zu übertragen.

Toni Schmid hat die Kameramänner Roland Wagner, Hans Peter Fischer und Ralf Richter überall draufhalten lassen und freundliche Konsensfragen gestellt. Intendant Bachler konstatiert: »Ein Theater ist keine Bürgerinitiative.« Und fährt fort, ein Dichter oder Komponist habe aber schon auch eine kritische Haltung zur Welt. Die fehlt dieser Dokumentation, sie erschöpft sich in enthusiastischer Hofberichterstattung. ||

GANZ GROSSE OPER
Dokumentarfilm | Deutschland 2017
Regie: Toni Schmid | Mit: Nikolaus Bachler, Anja Harteros, Zubin Mehta, Jonas Kaufmann u. a.
88 Minuten | Kinostart: 1. Juni

Trailer