An der Theaterakademie zeigen 13 Studententheater ihre Produktionen.

»Wer sind Sie? Was machen Sie hier?«, werden Ruzbeh Mirmoayadi (l.) und Mohammad Salamat ständig gefragt | © Faraz Baghaei

Wer heißt denn heute noch Uwe? Ein Studententheaterfestival. »UWE – der Festival« ist die zweite Ausgabe der viertägigen Veranstaltung an der Theaterakademie, die hauptsächlich Produktionen deutschsprachiger Schauspielschulen zeigt. Den Begriff Studententheater also wörtlich nimmt. Es sind aber auch Beiträge aus dem Ausland dabei. Mit Spannung erwartet werden darf der Monolog von Cansu Ezgi Ince aus Istanbul, die den von Dario Fo und Franca Rame erdachten Monolog Ulrike Meinhofs »Io, Ulrike, grido« als Blaupause für eine Auseinandersetzung mit der politischen Situation in der Türkei verwendet. Da stellt sich die Frage: Darf die Studentin überhaupt ausreisen oder sitzt sie schon als Terroristin im Gefängnis der aufstrebenden Diktatur?

Der Schauspieler und Aktivist Lukas Orwin aus Malmö berichtet in der dokumentarischen Performance »The Volunteer« von seinen Bemühungen, eine syrische Mutter und ihre vier Kinder durch Europa zum Vater nach Schweden zu bringen. Drei Performerinnen aus Thessaloniki verzichten in ihrer Inszenierung »Icon« auf Sprache und verlassen sich ganz auf die Bildkraft, die Kamera, Projektor und Leinwand aus ihrer Mimik herstellen. Performativ geht es auch in »Schlachtspiele« und »Sisu« zu. Kein Wunder, die Theaterkollektive dieser Produktionen kommen aus Hildesheim, neben Gießen die Kaderschmiede für Performer in Deutschland. »Schlachtspiele« von edgarundallan ist eine Suche nach Orten, an denen noch geschlachtet wird. Und erzählt von Ludwig dem Hahn, der unter Schafen lebt. »Sisu« ist ein angeblich unübersetzbares finnisches Wort für Beharrlichkeit in aussichtslosen Situationen. Sisu&Company versucht es trotzdem. Dafür lässt es seine Figuren in Konkurrenzsituationen standhaft sitzen bleiben – auch
in der Sauna.

Selbst- und Fremdwahrnehmung ist ein Thema, das die Studenten umtreibt. Im Hörspiel der Berliner Ernst-Busch-Schule »Woran man einen Juden erkennen kann. Eine Untersuchung« kommen tatsächlich Nasen vor. Sechs jüdische Schauspieler fragen sich, ob der jüdische Körper nach dem Holocaust überhaupt ein normaler Körper sein kann. »Wer sind Sie? Was machen Sie hier!«, kriegen Ruzbeh Mirmoayadi, Mohammad Salamat und Faraz Baghaei immer wieder zu hören. Dabei sind sie in Deutschland aufgewachsen. Also inszenieren die drei aus Ludwigsburg eine Farce über Ausländer, die in der Theaterakademie August Everding kampieren. Türken vielleicht? Irgendwas Orientalisches halt. Und als Abschluss von UWE gibt es ERNA. In vier Tagen erarbeitet eine Gruppe von Studenten eine Performance, in der das ganze Festival drinsteckt. Da haben sie sich was vorgenommen. ||

UWE – DER FESTIVAL
Theaterakademie August Everding
Prinzregentenplatz 12 |25.–28. Mai| Termine und Tickets
089 21851970