In Kalifornien gibt es Sonne, Strand – und Xiu Xiu als Prototyp avant-poppiger Melancholie. Im Milla zeigt die Band, wie das auf der Bühne klingt.

Rätselhafter Pop: Jamie Stewart, Shayna
Dunkelman und Angela Seo, genannt Xiu Xiu
© Jherek Bischoff

Ihre Musik ist Leiden auf höchstem Niveau. Denn bei Xiu Xiu gibt es kein Wehwehchen zwischendurch, sondern das theatralische Ende allen Frohsinns. Zugegeben, nichts, das man jeden Tag verträgt. Aber wie Jamie Stewart, Sänger und einzig konstantes Mitglied 2003 in einem Interview mit dem Onlinemagazin »Pitchfork« sagte: »Wenn man Musik macht, bei der man sich irgendwie unwohl fühlt, passiert auch wirklich etwas.«

Das Projekt gründete sich 1999 ironischerweise in San José im sonnigen Kalifornien. Seit dem Debüt »Knife Play« zieht sich ein einzigartiger Stilmix durch die Diskografie, poppige Synthesizermelodien, stampfende Beats, häufig durchbrochen von schmerzhaften Industrial-Attacken. Darüber fließt die Weltschmerzstimme von Jamie Stewart, gegen den der Jammerprofi Morrissey klingt wie ein lustiger Pfadfinder am Lagerfeuer. Mit Genrezuschreibungen kommt man bei Xiu Xiu jedoch nur bedingt weiter. Im letzten Jahr veröffentlichten sie ihre Version des Soundtracks von David Lynchs Kultserie »Twin Peaks« und beteiligten sich an einer experimentellen Neuinterpretation der »Zauberflöte« in New York. Das wohl obskurste Werk der Gruppe ist das Album »Kling Klang«. Statt Noise Pop gibt es hier die Geräusche von 999 pinken Vibratoren.

Die im Februar veröffentlichte Platte »Forget« dringt nun wieder in gewohnt düstere Xiu-Xiu-Gefilde ein. Ein sinistrer Seelenstriptease, der sich dauernd zwischen Tanz (»Wondering«) und Tränen (»Petite«) bewegt. Man wird sehen, wie sich das auf das Verhalten des Milla-Publikums auswirkt. Es kann jedoch sein, dass der Zuhörer nicht jeden Song gleich erkennt. Wie Stewart im erwähnten »Pitchfork«-Interview erklärt, klingen die Songs live oft völlig anders. Denn die exzessive Bearbeitung im Studio lässt sich auf der Bühne nicht einfach reproduzieren. Aber nicht schlimm: Echte Emotionen funktionieren mit oder ohne Elektronik. ||

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Milla | Holzstraße 26 | 2. Mai| 20.30 Uhr
Tickets: 089 18923101