In Mexiko ist das Orquesta Filarmónica de Jalisco eine Institution – wird Zeit, dass man es auch in der Philharmonie hören kann.

Weit gereist und erstmals in München: das Orchesta Filharmónica de Jalisco | © Marco Ayala

Es ist ein Neuzugang auf europäischen Bühnen: das Orquesta Filarmónica de Jalisco (OFJ) aus Mexiko, ebenfalls bekannt als Jalisco Philharmonic. Dort musikalisch renommiert, dürften hierzulande wohl auch klassisch versierte Konzertgänger noch wenig von dem Orchester aus Guadalajara gehört haben, denn Lateinamerika ist im klassischen Tourneebetrieb nicht so stark vertreten wie die Konkurrenz aus dem Norden des Kontinents.

Dabei bringt das 100 Musiker starke Ensemble eine an ebenso vielen Jahren reiche Tradition mit. Gegründet wurde es dereinst von Komponist und Dirigent José Rolón, der der Ansicht war, die Musikhörer in der Stadt Guadalajara könnten zur Abwechslung etwas Klassik vertragen. Jahrzehnte später, 1988, wurde diese Aufgabe staatlicherseits ausgeweitet auf die gesamte Provinz Jalisco. Zu der Zeit bekam das Orchester seinen heutigen Namen. Es kooperierte über die Jahre schon mit einer Vielzahl internationaler Klassik-Größen von Artur Rubinstein, Luciano Pavarotti und Placido Domingo bis Daniel Müller-Schott. Und einen von Kritikern vielfach gelobten Neuzugang bekam es erst 2014. Damals übernahm der kanadische Dirigent Marco Parisotto die künstlerische Leitung.

Das für die Premiere des Orchesters in der Münchner Philharmonie geplante Repertoire mexikanischer Komponisten kann sich jedenfalls hören lassen. Die Werke zählen an sich bereits zu den hierzulande selten gespielten. Der lang verstorbene Silvestre Revueltas etwa, der die Jalisco Philharmonic vor vielen Jahrzehnten selbst dirigiert hat, ist mit einer Filmkomposition vertreten. Mit dem zweiten seiner »Danzones« ist Arturo Márquez dabei. Von Javier Álvarez gibt es ein Werk zu hören, das erst im März dieses Jahres uraufgeführt wurde. Es trägt den klingenden Titel »Métal de Treboles«, was sich in etwa übersetzen ließe mit »Kleeblatt-Metall«. Dafür bekommt das Orchester Verstärkung von vier weiteren Landsleuten, den Solisten des Percussionquartetts »Tambuco«. Das mehrfach für den Grammy nominierte Ensemble ist in dem knappen Vierteljahrhundert seines Bestehens weltweit aufgetreten. Nicht zuletzt war es öfter auf europäischen Bühnen zu Gast, unter anderem bei den Berliner Festspielen.

Dem mexikanischen Repertoire begegnet im Orchesterprogramm die erste Symphonie von Johannes Brahms als Kontrapunkt der musikalischen Kontakte. Das hat auch damit zu tun, dass die Konzertreise im Rahmen des derzeitigen Dualen Jahres Mexiko–Deutschland stattfindet, einer umfassenden kulturellen und wirtschaftlichen Initiative beider Staaten, die den transatlantischen Austausch fördern soll (www.dualyear.mx). Was in Zeiten wie diesen durchaus Sinn machen kann. ||

JALISCO PHILHARMONIC
Philharmonie im Gasteig| 26. April| 20 Uhr

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