Der Verlag Schirmer-Mosel ehrt mit einem neuen Bildband eine der größten Modeikonen der Filmgeschichte – BB, Brigitte Bardot.

Ein unverwechselbares Gesicht © Cinémathèque française courtesy Schirmer/Mosel

Ein unverwechselbares Gesicht © Cinémathèque française
courtesy Schirmer/Mosel

Für sie ließ Gunter Sachs, ihr dritter Mann, einst tausend Rosen regnen: abgeworfen aus einem Helikopter – direkt über ihrem verwunschenen Domizil »La Madrague« in der Nähe von St. Tropez, dessen leibhaftiges, gerne barfüßiges Maskottchen sie ungewollt lange war. Ihre magischen Initialen hatte sich die kluge Geschäftsfrau aus bestem Hause bereits 1958 schützen lassen: BB – diese beiden vollmundig geschwungenen Buchstaben verfolgten in den prüden fünfziger Jahren geradezu Millionen von Männern in den Schlaf.

Ebenjene Brigitte Anne-Marie Bardot, heute 82 und höchst umstritten, war in dieser Epoche scheinbar alles zugleich: Pralles Naturweib mit Kussmund, feine Haute-Couture-Dame im neuesten Kostümschick von Christian Dior, erotische Leinwandikone mit extremer Sprengkraft (»… und ewig lockt das Weib«, 1956), lässige Modetrendsetterin (z. B. Sauerkraut-Frisur, Ballerinas, Matrosenlook) wider Willen und als Jetset-Darling zigtausendfach fotografiertes Objekt der Begierde für die einen – und händeringend verfolgtes Paparazzi-Motiv für die anderen. Denn kalt ließ sie schon zu Beginn ihrer Karriere niemanden, was letzten Endes auch bis heute so geblieben ist.

Das berühmteste Haarband der Kinogeschichte

Seit Jahrzehnten zieht sie als militante Tierschutzaktivistin nicht nur Freudenblicke auf sich, und wenn »La Bardot« in französischen Wahlkämpfen oder wiederholt auch in ihren eigenen Büchern wieder einmal gegen Muslime hetzt, schlägt ihr heutzutage eben jene intellektuelle Verachtung entgegen, mit der sie Jean-Luc Godard 1965 in den Kinohimmel gehoben hatte. In »Le Mépris« (1963) nämlich – zu deutsch »Die Verachtung« – betastete Raoul Coutards Kameralinse zärtlich jeden Körperteil der BB, die sich vor ihm auf einem strahlend weißen Flokatiteppich räkelte … Nicht weniger legendär sind Georges Delerues Liebesmotivklänge, die zu den ergreifendsten Momenten der musikalischen Kinogeschichte des 20. Jahrhunderts gehören. Dazu trägt sie in Godards Filmjuwel das marineblaue, wohl berühmteste Haarband der Kinogeschichte.

Kein Zweifel: Diesem einen Blick konnte keiner widerstehen. Genauso wenig wie ihrem grazil-tänzelnden Gang, ihrer nie wirklich zu bändigenden, strahlend blonden Löwenmähne, ihrem apricotfarbenen Teint mit den winzigen Sommersprossen. BBs Traummaße sind ebenso sagenhaft wie ihre öffentlichen Auftritte: Ob im edlen Zwirn bei der Queen, als erste Frau im mutigfrechen Husaren-Hosenanzug im Élysée-Palast oder als dauerposierende Sexbombe in Meerjungfrauenhaltung auf der italienischen Mostra in Venedig. Schlicht »anbetungswürdig« nannte sie Hubert de Givenchy. Was diese öffentliche Frau einst war – und warum deutsche Kirchenverbände früher sogar ihretwegen vor dem Kinobesuch warnten, davon kann man sichnun ein weiteres Mal in einem wahrlich angemessenen Prachtband aus dem Hause Schirmer und Mosel überzeugen: BB – eine Liebeserklärung. Ein Mythos – auf ewig. ||

HENRY-JEAN SERVAT: BRIGITTE BARDOT.
FILMIDOL – MODE-IKONE – SEXSYMBOL
Mit einem unveröffentlichten Interview zwischen Brigitte Bardot
und Henry-Jean Servat
Schirmer/Mosel Verlag, 2016 | 256 Seiten, 189 Abbildungen in
Farbe und Schwarz-Weiß| 39,80 Euro