Robert Gerloffs fantasievolle Inszenierung »Robin Hood« im Residenztheater entzückt Kinder und Erwachsene.

(v.l.) Pauline Fusban, Thomas Lettow als Robin Hood, Max Koch und Alfred Kleinheinz | © Julian Baumann

(v.l.) Pauline Fusban, Thomas Lettow als Robin Hood, Max Koch und Alfred Kleinheinz | © Julian Baumann

»Robin! Robin!«, schallt es aus dem Publikum. So viel kollektive Begeisterung erlebt man im Theater selten. Die Scharen von Schulkindern fiebern richtig mit beim Kampf des edlen und großherzigen Robin Hood (Thomas Lettow) gegen den schurkisch fiesen Sheriff von Nottingham (Gunther Eckes). »Buh! Buh!«, rufen sie empört, wenn ihr Held in den Kerker abgeführt wird. Robert Gerloffs vor Einfallsreichtum sprühende Inszenierung mit Live-Musik ist ein Riesenspaß, an dem auch Erwachsene ihre Freude haben.

Der König und Ausbeuter (toll: Manfred Zapatka) residiert in einer prächtigen, drehbaren Burgfestung. Die Bäume im Wald von Sherwood, in denen Schauspieler auf Stelzen stecken, wiegen dialogbegleitend ihre Kronen oder schütteln sie entsetzt. Der Sheriff, der allen mit »Kerker, Folter, Tod« drohen lässt, kriegt Pfeile in die Hinterbacken, es gibt Fechtkämpfe und eine wüste Schlägerei, die mittels Kitzeln gewonnen wird.

»Die Botschaft des Abends, der auch ein Plädoyer für soziale Gerechtigkeit und menschliche Solidarität ist, bekommt garantiert jeder mit.«

Arthur Klemt als pralinensüchtige, fassdicke Amme, an deren gewaltigem Busen ihre Freunde und Feinde hilflos zappeln, entzieht sich mit Mathilde Bundschuhs liebreizender Maid Marian mit »Hu!«- und »Ha!«- Schreien den skrupellosen Machthabern. Will Scarlet ist im Residenztheater eine furchtlose Scarlet Will (Pauline Fusban), die mit zwei Messern eine hohe Stichflamme auflodern lässt. Thomas Gräßle als Guy de Gisbourne mutiert mit Hilfe eines Zaubertranks, den der Sheriff wegen seiner Spinatallergie verschmäht, vom Gehilfen des Finsterlings zum tanzenden und singenden Hippie und Friedensapostel.

Die Geschichte wird kindgerecht geradlinig erzählt und dabei ohne die dumme Angst, die Kleinen zu überfordern, lustvoll mit Brecht-Anleihen und politischen Verweisen versehen. Der Donald-Trump-Scherz oder das Adenauer-Zitat wird sich Sechsjährigen nicht erschließen, aber Dinge zu hören, die man noch nicht versteht, gehört zum Kindsein. Die Botschaft des Abends, der auch ein Plädoyer für soziale Gerechtigkeit und menschliche Solidarität ist, bekommt garantiert jeder mit. Doch statt mit dem pädagogischen Zeigefinger zu fuchteln, hat Gerloff sie so lustig und liebevoll verpackt, dass am Ende der ganze Saal fröhlich »Jupidu« singt. ||

ROBIN HOOD
Residenztheater | 18. Dez.| 11 und 16 Uhr
19. Dez.| 10 Uhr | 24. Dez.| 16 Uhr | Tickets:
089 21851940 und über die Website