Eine Biografie des immer frei gebliebenen Regisseurs Alexeij Sagerer

Sagerer

Beim diesjährigen Rodeo war keine Aufführung von Alexeij Sagerer zu sehen. Präsent war der Theatermacher, der sich mittlerweile »Urgestein« als zweiten Vornamen zulegen könnte, trotzdem. Mit dem Autor Ralph Hammerthaler stellte der 72-Jährige seine Biografie vor, und die gibt fundiert und erhellend Aufschluss über Sagerers Arbeit und den Stellenwert seines ProT-Theaters in der freien Szene von 1969 bis heute.

Der Journalist Ralph Hammerthaler nennt sich selbst im Vorwort nicht objektiv, sondern einen Komplizen Sagerers. Beide kennen sich seit 25 Jahren, haben ungezählte Flaschen Wodka gemeinsam geleert, 2013 inszenierte Sagerer den Hammerthaler-Text »Ein Gott Eine Frau Ein Dollar«. Trotz dieser Nähe behält der Biograf einen klaren, analytischen Blick auf Sagerers Denkwelt. Wer sich je als Theaterkritiker damit herumgeplagt hat, ProT-Aufführungen enträtseln, interpretieren und bewerten zu wollen, dem wird hier Erleuchtung zuteil.Hammerthaler schlüsselt Sagerers Begrifflichkeiten plausibel auf: Die Trennung zwischen unmittelbarem ProT-Theater und domestiziertem Repräsentations-Theater, zwischen Innen und Außen erklärt, weshalb Sagerer nie mit Schauspiel-Profis gearbeitet hat.

Er verfolgt durchgehende Motive und Themenkomplexe wie die anfänglichen Bühnen-Comics, den »Tieger von Äschnapur« und das jahrelang schrittweise anwachsende »Nibelungen-Projekt«, beleuchtet die Vorreiterrolle des Regisseurs beim Einsatz von Videos auf der Bühne. Wobei er nicht unterscheidet zwischen Video- und Bühnenarbeit. Seine Performance »Küssende Fernseher« wurde 1983 zur Documenta eingeladen.

Eine künstlerische Biografie will das Buch sein: Persönliche Verhältnisse (Herkunft aus Plattling, Beziehungen zu Frauen) werden nur dann ungeschönt erwähnt, wenn sie für das Werk eine Rolle spielen. Detaillierte Aufführungsbeschreibungen erschließen, was für ein Singulär Alexeij Sagerer in der bundesdeutschen Theater-Avantgarde ist. Aber fürs Kulturreferat schon zu lang dabei, um noch gefördert zu werden. ||

RALPH HAMMERTHALER: ALEXEIJ SAGERER
LIEBE MICH – WIEDERHOLE MICH
Verlag Theater der Zeit | 302 Seiten
20 Euro