Belle & Sebastian sind eine Band der Entschleunigung. Dafür werden sie aufrichtig verehrt.

Von links oben nach rechts unten: Richard Colburn, Stuart Murdoch, Stevie Jackson, Sarah Martin, Bobby Kildea und Chris Geddes sind Belle & Sebastian| © David Boni

Im vergangenen Jahr überraschte die schottische Indiepopband Belle & Sebastian mit der Ankündigung einer EP-Reihe. Mit »How To Solve Our Human Problems – Pt. 1 & 2« sind im Dezember und Januar bereits zwei Teile erschienen, die Veröffentlichung des dritten ist für den 16. Februar geplant. Sich in digitalen Zeiten mit ihren verkürzten Aufmerksamkeitsspannen auf jeweils fünf Titel zu beschränken, das klingt klug und zukunftsgewandt. Man kann diese Unternehmung aber auch als Verweis auf die eigene Vergangenheit verstehen. Denn in den Jahren 1997 und 1998 brachten Belle & Sebastian ebenfalls eine Reihe von EPs heraus. Sie hießen »3..6..9 Seconds Of Light«, »Lazy Line Painter Jane«, »Dog On Wheels« und »This Is Just A Modern Rock Song« und gehören zum Besten, was die 1996 von Stuart Murdoch in Glasgow gegründete Band bis heute veröffentlicht hat.

Jetzt also »How To Solve Our Human Problems«, was rein vom Titel her schon etwas großspurig klingt. Denn ob sich mit intimem, fast verhuschtem, teilweise aber auch orchestral ausgreifendem Kammer-Folkpop die Welt wirklich retten lässt? Für Fans der teilweise kultisch verehrten Band, die am 16. Februar in der Muffathalle auftritt, bedeutet jeder Song zumindest etwas mehr Wärme. Und wie es Belle & Sebastian schaffen, dass sich ihre Musik so kuschlig weich und sanft über Körper und Geist legt, das ist noch immer ihr Geheimnis. Dabei teilt Stuart Murdoch in seinen poetischen Texten durchaus aus und benennt unschöne Wahrheiten. »They’ll take profits over the people / They won’t make the country great again / Just as long as it’s white and wealthy / Fear the immigrant workforce! / Fear the kids raised on the internet!«, heißt es in »The Girl Doesn’t Get It« in einer Mischung aus Anklage und Protestsong.

Andererseits sind vielleicht mit den »Human Problems« auch nur die alltäglichen Sorgen gemeint. Wie etwa der Liebeskummer, den Stuart Murdoch in »Sweet Dee Lee« besingt. Andererseits sind vielleicht mit den »Human Problems« auch nur die alltäglichen Sorgen gemeint. Wie etwa der Liebeskummer, den Stuart Murdoch in »Sweet Dee Lee« besingt. Oder die Mühen des Erwachsenwerdens, die »I’ll Be Your Pilot« verhandelt, und die auch im Film »God Help the Girl« Thema sind. Murdoch hat ihn 2014 realisiert, ein Art Coming-of-Age-Indiepop-Filmmusical, über drei befreundete Teenager, die in Glasgow eine Band gründen. Der Grund, warum der inzwischen 49-Jährige die Adoleszenz immer wieder zum Sujet macht, könnte die eigene schwierige Jugend sein. Dass er als Teenager jahrelang unter dem Chronischen Erschöpfungssyndrom litt, machte der schottische Musiker 2015 in einem Interview erstmals öffentlich. Über die Musik hat er aus diesem Dornröschenschlaf wieder herausgefunden, Song für Song, auch das hat er im Interview erzählt. Vielleicht ist es dieser musikalische Befreiungsschlag, den man auch heute noch in den Songs von Belle & Sebastian spürt. Das könnte jedenfalls erklären, warum sich in der Tat viele Heranwachsende in der Musik der Schotten wie derfinden. Da ist etwas mehr als das Normale, und das packt die Hörer über die Altersgrenzen hinweg. Eine Möglichkeit, unsere menschlichen Probleme zu lösen. ||

BELLE & SEBASTIAN
Muffathalle|16. Feb.| 19.30 Uhr
Tickets: 089 54818181