Das Kommando Pninim scheitert an Übermaß und Wiederholung.

Kommando Pninim bei der Kuschelchoreografie noch ohne goldene Kulschelpullover © Kommando Pninim

Ein kritisches Theaterstück, das der Gesellschaft den Spiegel vorhält, ist »Konsul Bernick muss nochmal ran« nicht, auch wenn dieser Begriff gebetsmühlenartig im Munde geführt wird. Das Kommando Pninim verarbeitet darin diskursiv das Motiv der Stützen der Gesellschaft. Eine solche ist Konsul Bernick in Henrik Ibsens gleichnamigem Drama, einer typischen Ibsen-Geschichte über einen Mann, dessen Leben nach außen untadelig erscheint, der aber im Grunde geldgierig über Leichen geht und zum Schluss geläutert in einer Rede an die honorige Gesellschaft seiner Stadt seine Verfehlungen zugibt.

Von diesem lockeren Anhaltspunkt entfernen Isabelle Cohn, Lisa Fertner und Arthur Romanowski sich in ihrer Performance im HochX streckenweise weit. In elliptischen Kreisen umrunden sie das Motiv, inwieweit die Stützen der Gesellschaft die Zukunft zu einem Wort von gestern gemacht haben. Dazu haben sie links vor dem multifunktional einsetzbaren bunten Planschbecken einen Kubus auf die Bühne gestellt, der das Museum für gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellen soll. Allerdings ohne Exponate und außerdem hat es keinen Eingang. Also stellt sich die Frage, wer oder was wird hier eigentlich ausgestellt. »Bin ich das Exponat?«, fragen die Darsteller immer wieder erschrocken. Was ist Original, was Fälschung? Womit wir beim Thema Fake News wären. Aber auch das wird nur gestreift, wie das Schicksal der griechischen Nachbarin, die nach 14 Tagen Training ihrem Zweitjob als Apple-Genius nachgehen kann, den sie braucht, weil sie sonst als Security im Museum ausgebeutet wird. Auch Vorzeigegutmenschen und Fußballer kommen vor. Wie eine hängende Schallplatte wiederholen sich die Motive in dieser Tanz-Diskurs-Container-Endlosschleife.

Witzige Gedanken sind darunter, komische Einfälle und lustige Wortspiele. Auch gelingen sachte, aber exakt durchchoreografierte Szenen wie die Ess-Szene am Tisch, während die eigentlichen Tanzszenen (Choreografie: Jan Lau) wie eine Museumsinstallation in der angewandten Theaterwissenschaftsshow wirken. Ideen hat das Kommando Pninim. Nur hätten Regisseur Andreas W. Kohn und die Performer die Vokabel der Spielzeitbegrenzung ernst nehmen sollen, statt jeden Gedanken, der vorbeifliegt, zu ergreifen und ihn fast drei Stunden lang in ermüdender Redundanz und teilweise hysterischem Sprachduktus auszubreiten.

Konsul Bernick muss noch mal ran
HochX | Entenbachstr. 37 | 12.–14. Januar | 20 Uhr | Tickets: 089 90155102