Der Amerikaner Cameron Carpenter reformiert die Orgel. Am 27 November kann man ihn in München hören.

Cameron Carpenter | © Gavon Evans

Die Orgel gilt als Königin der Instrumente und ist in ihrer barocken Ausstrahlung und als Gottesdienstbegleiterin doch etwas angestaubt in unseren säkularen Klangzeiten. Was es bedurfte, um den Glanz des royalen Instruments aufzupolieren, war ein Prinz. Und Cameron Carpenter darf getrost als Orgelprinz des 21. Jahrhunderts gelten. Das liegt zum einen an dem exzentrischen Amerikaner selbst, der nicht davor zurückscheut, sich mal in einem Glamrockkostüm, mal mit hipper Undercutfrisur zu inszenieren. Doch trotz Pomp und Coolness steht auf der anderen Seite in seinen Performances immer die Musik über den Äußerlichkeiten, die Experimentierfreude über publikumswirksamer Effekthascherei. Das macht ihn für Kritiker wie das breite Publikum zu einer Lichtgestalt, die trotz des sperrigen Instruments viele Fans findet.

Cameron Carpenters Spiel hat Hand und Fuß, und das im wörtlichen Sinne. Denn der ausgebildete Tänzer überlässt nicht allein den Händen das virtuose Agieren, sondern ist gleichermaßen Pedal-Artist, dessen Fußarbeit den geschmeidig flinken Fingern auf den Manualen kaum nachsteht. Man darf sich also freuen, dass Orgelprinz Carpenter am 27. November am Gasteig vorreitet und mutmaßlich Glanz in die Philharmonie bringt. Mit sich führt er ein Programm, das auf den ersten Blick klassisch anmutet: Zu Originalwerken von Johann Sebastian Bach (»In dulci jubilo« und »Präludium und Fuge D-Dur«) sowie Marcel Dupré (»Le monde dans l’attente du Saveur«) kommen Bearbeitungen, die der Organist selbst für sein Instrument transkribiert hat, wie der »Blumenwalzer« aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Ballett »Der Nussknacker« sowie »A Christmas Festival« von Leroy Anderson. Dazu vermerkt das Programm den kleinen, Neugierde weckenden Zusatz »und weitere Werke«. Egal ob Transkriptionen oder Improvisationen, Klassik oder Barock, Cameron Carpenter wird die Kompositionen mit seinem kraftvollen, aufmerksamen Spiel aufpolieren und mit sinnlich-ekstatischer Verve den Staub von der Königin der Instrumente blasen. ||

CAMERON CARPENTER
Philharmonie| 27. Nov.| 20 Uhr | Tickets: 089 936093