Marilyn Manson hat es nicht leicht. Als Schockrocker teilt er die Probleme von Kollegen wie Alice Cooper oder Ozzy Osbourne, an sich immer noch einen drauf setzen zu müssen, um dem Sensationsbedürfnis seines Publikums nachzukommen. Nun fiel ihm aber im September eine seiner martialischen Bühnendekorationen auf den Fuß und sorgte für einen derart komplizierten Bruch, dass er noch immer mit angewinkelt verschaltem Bein auf der Bühne hantieren muss. Damit auch das wenigstens ein wenig beängstigend wirkt, baut Manson es geschickt in seine Show ein, inszeniert sich als wahnsinnigen Patienten auf der Krankenhausliege oder Finsterling im Antichrist-Rollstuhlthron, als teuflisch Gehandicapten, der von zwei Gehilfen im OP-Grün sekundiert wird. Der Musik tut das gut, denn das Drumherum tritt im ausverkauften Zenith zugunsten des sauber angestimmten Finsterrocks in den Hintergrund. Klar, ein wenig Theaterblut und viel Geschrei gehören noch immer dazu. Aber der Dunkle Lord der Rockmusik wirkt deutlich normaler als früher und muss nicht noch weiter übertreiben, um als Kunstfigur wahrgenommen zu werden. Und er kann nach einer guten Stunde sich zurückziehen, schließlich hat er sich bis dahin schon genug gequält.