Jazzpianist Brad Mehldau überrascht mit einem ungewöhnlichen Duopartner, dem Bluegrassmusiker Chris Thile.

Brad Mehldau, Chris Thile | © Michael Wilson

Auf den ersten Blick scheint diese Kombination zu sein, was Briten »unlikely« nennen. Weniger, weil Jazzpiano auf Bluegrass trifft. Sowohl Brad Mehldau als auch der Mandolinenspieler Chris Thile hatten schon immer eine Vorliebe für »Artfremdes« von Radiohead bis zu den Beatles. Aber die Instrumente! Hier der mächtige Konzertflügel, dort der zarte, feine Sound der Mandoline. »Es ist, als ob sich ein Specht mit einem Löwen zusammentun würde«, beschreibt Thile das Risikopotenzial der Begegnung. Die beiden wenden es souverän ins Positive. Und dazu muss sich der Löwe noch nicht mal verleugnen und versuchen, leise zu brüllen. Denn Mehldau umschifft den Oberton-Clash, spielt mal deutlich tiefer, mal um weniges höher als die gezupften Saiten. Und es geht hier tatsächlich um zwei Saiteninstrumente, was rhythmisch-perkussiv spannende Chancen eröffnet, ergänzt um die markante, sanft androgyne Stimme, die Thile meist bluegrassnah im Reich tiefblauer Noten, aber ebenso beim Jazzstandard »I Cover The Waterfront« einsetzt. Weit ab vom EntertainmentPomp bewährt sich hier seine wunderbar ungeschützte Art, Intimität heraufzubeschwören.

Federleicht hingetupft finden sich auf dem aktuellen Duoalbum auch Songs von Joni Mitchell und Bob Dylan. Das schwebt, hat dennoch Biss, ist very sophisticated, wenn die beiden sich in Mehldau-typischer Kontrapunktik verzahnen. Andererseits tut es dem Pianisten gut, wenn sein Hang zu abgehobenem Kokettieren mit der Klassik durch die Nähe zum Folk geerdet wird. Gewaltiger Spaß am Zusammenspiel verstärkt den Effekt. Das ist Americana, statt einmal mehr eine Verbeugung des Pianisten vor Europa (auch Thile hat übrigens auf der Mandoline Bach gespielt!). Und es ist erfreulich zu sehen, dass der Romantiker unter den Jazzpianisten sich da immer noch ganz in seinem Element fühlt. Vielleicht sogar mehr als bei manchen Melodien aus der Grabbelkiste der Standards. Denn Folk hat den Charme des Echten und Verwurzelten, der dem Jazz als Kunst zuweilen abhanden kommt. ||

BRAD MEHLDAU & CHRIS THILE
Prinzregententheater| 14. Nov. | 20 Uhr
Tickets: 089 54818181