Das Seriencamp Festival verspricht ungewöhnliche Krimiformate – in diesem Jahr vor allem aus dem düsterkomischen Skandinavien.

Fangar Prisoners| © Aôrni Filippusson

»Ich glaub, jetzt bin ich endgültig verrückt geworden«, sagt Satakieli am Telefon. Sie sitzt auf einem massiven braunen Ledersofa im tristen Vorzimmer einer Psychiatrie. Mit ihr warten drei weitere Jugendliche, die in den nächsten Wochen ihre besten Freunde werden. In der Schule wurde Satakieli nur von den anderen Mädels gemobbt. Sie sei fett, dumm – ein Außenseiterpunk. »Mental« handelt von diesen Jugendlichen: ihren Problemen, ihren Ängsten, ihrer Einsamkeit. Jede Folge dauert nur rund zehn Minuten – und dennoch schafft es die finnische Produktion, eine tiefgründige, unterhaltsame, schräge Geschichte zu erzählen, die in ihrer überzogenen Derbheit an die britische Serie »Skins« erinnert. Ein kompaktes Format, das sich an den Sehgewohnheiten der Millennials orientiert und zur Strategie von den Machern der Serie passt: Die Inhalte basieren größtenteils auf wahren Geschichten, die Jugendliche über Social Media geteilt haben. Auf Facebook und Twitter wurde »Mental« so in Finnland schnell zu einem Riesenerfolg, aber auch zu einer Plattform, auf der sich junge Menschen über psychische Probleme austauschen können.

In Deutschland hat »Mental« noch keinen Sender, funktioniert das zehnminütige Format doch noch nicht so recht auf klassischen linearen Sendeplätzen. Aber da gibt es ja noch das Seriencamp Festival, das zum dritten Mal an der HFF München stattfindet. Von 27. bis 29. Oktober zeigt es rund 30 Fernsehserien: neue Staffeln von alten Lieblingen wie »The Walking Dead«, neue Inhalte der Seriencamp-Partner Sky und RTL Crime; in der »First Look«-Schiene, ehemals »Sneak Peek«, laufen Serienneuheiten wie »Mental«. Darüber hinaus gibt es auch einen Ausblick auf neue experimentellere Webserienformate. Das Seriencamp möchte auch 2017 präsentieren, wohin sich die Serienwelt entwickelt. Das passiert natürlich auf der Conference, auf der sich während des Festivals die Branche trifft. Aber das spiegelt sich auch im Programm wieder: In spannenden Formatexperimenten der »First Look«-Reihe, dem schwedischen Thriller »Alex«, dem isländischen Frauenknastdrama »Fangar« (»Prisoners«) oder in der norwegischen Comedyserie »Match«, in der Sportkommentatoren das Leben eines jungen Mannes begleiten. Ein spektakulär grausamer Mord wird außerdem in der schwedisch-britischen Koproduktion »Fallet« aufgedeckt, für die der Regisseur von »Lilyhammer« verantwortlich zeichnet.

»Auch wenn wir das nicht geplant haben, haben wir nun relativ viele Krimiformate im Programm. Die aber allesamt sehr ungewöhnlich erzählt werden«, sagt Christopher Büchele, einer der Gründer des Seriencamps. »Ebenso der Skandinavien-Schwerpunkt. Im Moment kommen einfach viele spannende Inhalte aus dem Norden.« Trotzdem gibt es natürlich auch einiges aus anderen Ländern zu entdecken. Da wäre etwa die belgische Produktion »Team Chocolate«, die kanadische Sterbehilfe-Dramedy »Mary Kills People«, das kroatische Politdrama »The Paper« oder auch das israelische Erfolgsdrama »Your Honor«. Eröffnet wird das Seriencamp mit der RTL Crime-Produktion »SS GB«: Sie entwirft eine alternative Geschichte, in der Nazideutschland Großbritannien besetzt hat. Der Hauptdarsteller Sam Riley wird zu Eröffnung nach München kommen. ||

SERIENCAMP
HFF München| 26.–29. Oktober Festival für Serien und TV-Kultur | Programm und Ticket-Info