Die Sängerin Beth Ditto macht Pop gegen viele Regeln. Diese Mischung führt sie nun nach München.

Beth Ditto | © Mary McCartney

»Ich wollte kein cooles Album machen.« Das hat Beth Ditto kürzlich in einem Interview über ihr erstes Soloalbum »Fake Sugar« gesagt. Da fragt man sich natürlich, ob das überhaupt geht bei einer Sängerin, von der die australische Feministin Germaine Greer gesagt hat, sie wäre »die coolste Frau des Planeten«. Die, obwohl sie klein, mollig und lesbisch ist, die Muse von Karl Lagerfeld war, das Model von Marc Jacobs und die Titelfrau auf unzähligen Pop-, Mode- und Frauenzeitschriften. Damit ist die ehemalige Gossip-Sängerin zur Identifikationsfigur für viele geworden, die sich aufgrund ihres Aussehens oder ihrer sexuellen Orientierung als Außenseiter fühlen.

Geschafft hat das Beth Ditto dank ihrer explosiven Stimme und ihres genauso explosiven Temperaments. Und mithilfe von Nathan Howdeshell und Kathy Mendonca, mit denen Ditto 1999 in Olympia im US-Bundesstaat Washington die Dance-Punk-Band Gossip gegründet hat. Alle drei stammen aus der Kleinstadt Searcy in Arkansas. Ihre gemeinsame Sehnsucht, dem rustikalen Mief im südlichen Amerika zu entkommen, gab Ditto häufig als den Antrieb für die Gründung von Gossip an, die mit Hits wie »Heavy Cross« in den Nullerjahren berühmt wurden.

Arkansas ist auch für »Fake Sugar« ein wichtiges Stichwort. Haben sich Gossip 2016 doch deshalb aufgelöst, weil Nathan Howdeshell dorthin zurückzog. Und nicht nur das. Beth Ditto hat es ihm gewissermaßen gleichgetan und ihr Album dort zusammen mit der grammynominierten Produzentin Jennifer Decilveo aufgenommen. Das erinnert ein bisschen an Conor Oberst, der 2015 in einer Art Selbstfindungsphase nach Omaha zurückkehrte. Herausgekommen ist dabei jedenfalls ein sehr abwechslungsreiches Pop-Album, dem man die »Versöhnung« mit dem Süden in Form kleinerer Blues-, Country- oder Honky Tonk-Anleihen durchaus anhört. Was mit Rückgriffen auf den Soul, Rock und Discopop der 70er und 80er in der Tat nicht wirklich cool, aber gerade durch seine Ich-machewas-mir-Spaß-macht-Haltung doch ziemlich lässig klingt. ||

BETH DITTO
Muffathalle| Zellstr. 4 | 27. Sept. | 20 Uhr
Tickets: 089 54818181 | www.muffatwerk.de