Denn im Theater Viel Lärm um Nichts ist Ben Hur eine taffe Frau. Und sowieso alles Comedy.

Da war mal was zwischen Ben Hur (Katharina Friedl) und Messala (Wolfgang Haas)| © Hilda Lobinger

Vergessen Sie am besten auch noch die Handlung des Romans von Lew Wallace (erschienen 1880), den William Wyler 1959 mit Charlton Heston und Stephen Boyd als Freund-Feinden verfilmte. Mit 15 Millionen Dollar war »Ben Hur« der bis dahin teuerste Hollywood-Film aller Zeiten und heimste elf Oscars ein. Noch heute ist er im kollektiven Filmgedächtnis verankert. Anders lässt sich nicht erklären, dass die Comedy-Fassung des Briten Rob Ballard 1996 in London ein Bühnenerfolg wurde. Schon 1997 ließ der Meininger Theaterintendant den Autor sein Stück in Deutschland inszenieren, es lief drei Jahre lang. Den Messala spielte damals Philipp Weiche. Der ist 20 Jahre danach noch so begeistert davon, dass er jetzt im Theater Viel Lärm um Nichts als Sommerstück inszenierte.

Rob Ballard wollte wohl eine radikale, freche Neuerzählung im Stil von Monty Python. Die hat mit dem Film außer ein paar Rahmendaten nichts mehr zu tun: Die Film helden samt der schon beim Romanautor Wallace völlig inkorrekten Historie werden parodistisch zur Unkenntlichkeit verhackstückt. Der starke Prinz Juda Ben Hur ist hier eine aus dynastischen Gründen als Sohn erzogene Prinzessin (Katharina Friedl trägt ab und zu Rauschebart). Die kann alles besser als jeder Mann und steckt auch drei Jahre Galeerensklaverei locker weg. Vor so viel Stärke seiner Kriegsbeute wird sogar der große Cäsar schwach – und die Dame dann auch. Ohne Lovestory geht’s eben nicht.

Zwischen zwei römischen Säulen und einem Steintor in Jerusalem (Bühne: Peter Schultze) suchen weitere drei Knallchargen in verschiedensten Verkleidungen eine Story. Wolfgang Haas als halb nackter Messala trieft vor Schweiß und Geifer, Armin Hägele gibt mit Krücken-Handicap ebenso den Cäsar sowie die vulgär fluchende Schlampen-Mutter Ben Hurs und muss als Volk weidlich sächseln. Weil kurz vor der Premiere ein Darsteller abhandenkam, übernahm Regisseur Philipp Weiche alle Tunten-Parts – als Erzengel, als Seher am Stock und als römischer Admiral Arius.

Monty Pythons Stärke lag nicht nur im frechen Umdeuten von Historie, sondern auch im lockeren, selbstironischen Umgang damit. Vielleicht hatte Rob Ballard damals in Meiningen ja diesen britischen Spirit. Philipp Weiches Inszenierung kommt leider über platten Klamauk nicht hinaus. Das entscheidende Wagenrennen wird auf Tretrollern ausgetragen. Immerhin kommen keine Pferde zu Schaden. Dafür aber die Darsteller, die sich für diese grobe, billige und zotige Klamotte abmühen. Es fehlt einfach der Witz. ||

BEN HUR
Theater Viel Lärm um Nichts (in der Pasinger Fabrik) | bis 16. Sept.| Do–Sa 20 Uhr | Tickets: 089 6517464 | Abendkasse 089 82929079