Bei »Impulse« im GOP Varieté ist alles Musik und Rhythmus.

Herr der Ringe: Daniel Sullivan | © GOP Varieté

Ein Hüne mit dem Rücken zum Publikum; vor ihm eine Wand voller Trommelfelle. Und dann der erste Schlag! Kreise pulsieren auf dem ersten Fell, auf dem zweiten, dritten, vierten. Ein Rhythmus entsteht – und zugleich ein reichlich psychedelisches Bild. In »Impulse«, der aktuellen Show des GOP Varieté-Theaters, ist die ganze Bühnenrückwand ein Trommel- und Kletterabenteuer und zugleich Projektionsfläche. Farbe, Bewegung, Sound: Alles ist hier eins. Und alles ist ziemlich cool, denn die zehn Künstler, die unter der Regie von Nikos Hippler über die Bühne grooven und mit Sticks bewaffnet die Wände erklimmen, sind in ihrer Verschiedenheit allesamt lässige Typen. Und sie kommen außerdem fast alle vom Tanz, weshalb die Verbindungen zwischen den Szenen wunderbar fließend sind.

Johnny Kay, der große Percussionist vom Anfang, schlägt ein paar Salti und stellt sich ans Schlagzeug. Die Arme des Kollektivs verbinden sich zu einem beachtlichen Wellenschlag und die angeleuchteten Trommeln an der Wand liefern dazu ein rotblaues Zwinkern. Ein Moderator oder sonstiger Unterbrecher würde diesen mitreißenden Abend nur unnötig ausbremsen. Klassische Nummern hat er aber schon, wenn auch mit besonderer Note: Der Amerikaner Robert James Webber kommt an der Pole-Stange und als Clown noch ein wenig clumsy daher, haut einen aber mit seinem rotierenden Besen zu Tom Waits’ »Invitation to the Blues« beinahe aus den Latschen. Katharina Lebedew kann Handstand und auch sonst ziemlich alles, wofür man einen extrem biegsamen Körper braucht, besticht aber allein schon durch ihre königliche Haltung. Mit der macht sie ihre Mittänzer und Choreografen Chris Myland und Dennis MacDao wiederholt zum Zentrum figurativer Tutti, die an sich entfaltende Blüten oder erwachende Insektenstaaten erinnern. Mylands eigene Verbindung von kantigen Hip-Hop-Moves und Strapaten ist ungewöhnlich, fast gewöhnungsbedürftig.

Und Daniel Sullivan ist mit seinen goldenen Hula-Hoop-Reifen wie als Stepptänzer ein ungeheurer Spaßbold, der sich an seinem gewaltigen Können und an der puren Geschwindigkeit berauscht, bis die straffesten Brustmuskeln hüpfen. Es ist eine junge, wilde Truppe, die das GOP hier auf die Bühne losgelassen hat. Und wer jung ist und sich trotzdem noch für handgemachte Musik interessiert, sollte sie nicht verpassen. Er kann hier ganz nebenbei auch erleben, wie der Einzelne zum Teil eines Gesamtkunstwerks wird, ohne seine Souveränität zu verlieren. Und dass man auf einer Art Riesenpanflöte ebenso tolle und erstaunlich melodische Rhythmen produzieren kann wie mit Eimern, Schüsseln, Worten, Juchzern, Schreien und quietschenden Schuhsohlen.

Alles ist hier Musik und Körperkunst. Und doch gibt es auch Kontraste: Dicht an die Grenze zum Kitsch wagt sich der Berliner Halb-Vietnamese Dennis MacDao mit seinen wirbelnden Pirouetten und Sprüngen im Daunengestöber. Während das Luftakrobatik-Duo Celeste & François mit einer selbstbewussten und zupackenden Erotik überrascht, die ganz ohne emotionale Weichzeichner auskommt. Zusammen passt es dann wieder perfekt. ||

IMPULSE
GOP Varieté| Maximilianstr. 47 | bis 10. Sept.
Mi bis Fr, 20 Uhr, Sa 13.30 und 21 Uhr, So 14.30 und 18.30 Uhr | 15. Aug.| 18.30 Uhr

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