Die alten Helden sind furchige Felsen in der Brandung des Einerleis. Die Rolling Stones oder Sting zeigen auch diesen Sommer, wie man fröhlich weitermacht.

Mick Jagger und Keith Richards | © Universal Music

»Hope I die before I get old«, heißt es im The Who-Song »My Generation« aus dem Jahr 1965. Jahrzehnte später bekundet die Band auf der Bühne noch immer den Wunsch, vor der Alterung zu sterben. Allein, die Vorstellung davon, was genau alt ist, muss sich über die Jahre verändert haben. Zumindest haben sich all die Attribute verändert, die in den Sechzigern noch das Altsein deutlich sichtbar vom Jungsein unterschieden. Das betrifft die Frisuren ebenso wie Kleidung. Vor allem aber betrachtete man damals die Popmusik als eine pubertäre Erscheinung, aus der die Jugendlichen früher oder später, je nach Bildungsschicht, in die Schlager-Normalität oder ins Opernabo wachsen würden. Stattdessen blieben die Jugendlichen aber auch während ihrer eigenen Ergrauung im Rock-Kontext verhaftet. Und so wuchs dieser mit den hinzukommenden Generationen bald schon zu einer Art gelebtem Mehrgenerationenhaus.

Im Idealfall lauschen hier die jungen Fans der alten Rocker den Geschichten der alten Fans, die von den Anfängen jener Rock-Karrieren zu schwärmen wissen. Umgekehrt mag die anwesende Jugend den Alten Hinweise darauf geben, welcher Sound aktuell schwer im Kommen ist und welcher davon sich möglicherweise auch mit einer Vorliebe für Hendrix, Dylan und Co. deckt. Dem Erfinder der Zeitmaschine mochten jene Revival- und Never-Ending-Tour neen freilich ein Graus gewesen sein. Man stelle sich den Erfinder nämlich vor, der mit einem überteuerten Prototypen samt den zu überzeugenden Geldgebern in den Sechzigern startete, um im 21. Jahrhundert gelandet vor einer Plakatsäule zu stehen, die ihm Konzerte der Rolling Stones, Albert Hammonds und Manfred Manns ankündigt. Da war die Glaubwürdigkeit schnell dahin. Denn nicht einmal der Schlagzeuger der Rolling Stones hätte geglaubt, dass er länger als zehn Jahre in dieser Kapelle verweilen würde. »Wahrscheinlich will jetzt keiner den Moment verpassen, wo einer von uns den Löffel abgibt«, erklärte er selbst mal scherzhaft, warum Rolling-Stones-Konzerte auch heute noch die großen Stadien füllen.

Dabei sind es ja oft die Alten, die nicht mehr dem Erfolg hinterherjagen müssen, die darum also gelassen eigene Vorlieben in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellen dürfen. Weswegen die Stones es sich leisten durften, statt eigener neuer Songs alte Bluesklassiker geradezu traditionell zu interpretieren. Musik gewinnt Erhabenheit, indem in ihr das Junge, das sie einst prägte, ebenso mitschwingt wie das Alte, das sie nun in ein neues Licht rückt. Das kann scheitern, etwa wenn ein Art Garfunkel gar nicht mehr die Gesangsstimme besitzt, die sein Repertoire benötigt. Das kann aber auch gelingen, wenn man zum Beispiel im alten Sting hin und wieder den jungen durchschimmern hört. Vielleicht sind jene Helden einer erwachenden Popkultur aber auch die einzigen Konstanten in einer sich verändernden Welt, und damit also ie einzige gefühlte Sicherheit. Noch jedenfalls sind sie unterwegs, Albert Hammond, Manfred Mann, die Rolling Stones, Sting, Neil Diamond. Gehet hin und höret! Die Originale erzählen von heiterer Vergänglichkeit. ||

ALBERT HAMMOND
Brunnenhof| 13. Aug.| 20 Uhr

MANFRED MAN’S EARTH BAND
Brunnenhof| 16. Aug.| 20 Uhr

THE ROLLING STONES
Olympiastadion| 12. Sept.| 19:30 Uhr

STING | Olympiahalle| 19. Sept.| 20 Uhr

NEIL DIAMOND
Olympiahalle| 21. Sept.| 20:30 Uhr

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