In Traunreut hat der Galerist Heiner Friedrich mit dem Musemusareal DASMAXIMUM eine einzigartige »Kunstsetzung« auf Dauer realisiert.

Gerhard Richter: Heiner Friedrich, 1970| © Gerhard Richter, Repro: Franz Kimme

Es ist mittlerweile eines der Topziele auf der überreichen Landkarte der Kunstorte Bayerns. Seit der Eröffnung 2011 hat sich das von Heiner Friedrich gegründete Museumsareal DASMAXIMUM ständig erweitert und zeigt nun auf über 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche hochkarätige Werke der Gegenwartskunst. Georg Baselitz, John Chamberlain, Walter de Maria, Dan Flavin, Imi Knoebel, Blinky Palermo, Uwe Lausen, Andy Warhol und Maria Zerres – es sind fünf deutsche und vier amerikanische Künstler, Weggefährten und Entdeckungen, die der legendäre Galerist Heiner Friedrich nach seinem Credo »Ein Künstler, ein Raum, auf Dauer« in den nunmehr fünf Hallen des Tageslicht-Museums vorstellt. Das Museum befindet sich in der Stadt Traunreut, die sich nach 1945 auf dem Gelände einer 1938 gegründeten Heeresmunitionsanstalt entwickelt hat. Es sind Gebäude der Kriegs- und Nachkriegszeit, Fertigungshallen des elterlichen Betriebs »Alzmetall«, die Friedrich zum Ort einer großen – wie er es nennt – »Kunstsetzung« gemacht hat, einem Ort der Konzentration biografischer, politischer und künstlerischer Zeitläufe und Überblendungen.

Vielleicht hat man auf dem Weg nach Traunreut die Musik und Lyrik Bob Dylans im Ohr. Anlässlich des ihm verliehenen Literaturnobelpreises kann man in den lichtdurchfluteten Räumen, die dem Werk der 1961 geborenen und damit jüngsten Künstlerin Maria Zerres gewidmet sind, großformatige Bilder ihrer bereits 2011 während der Biennale in Venedig gezeigten ausdrucksstarken »Dylan Paintings« sehen: gleichsam Metamorphosen der vielfältigen künstlerischen Biografie und Persönlichkeit Dylans, verschlungene Linien in einem expressiven Duktus zwischen Zeichnung und Malerei. Eine Zeitreise, die in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts beginnt.

Der »Diener der Kunstwerke«

Neu im Museum ist eine kleinformatige Offsetlithografie, ein verfremdetes Porträt Heiner Friedrichs von Gerhard Richter – auf der Grundlage einer Fotografie von Brigid Polk (Brigid Berlin) aus dem Umkreis Warhols von 1970. Der Blick des damals noch jungen Galeristen ist gesenkt, nach innen gerichtet, im Hintergrund verschattet. Konzentriert drückt es aus, was er von Anfang an als seine »Hauptaufgabe im Leben« sah, nämlich »Diener der Kunstwerke zu sein«, in denen sich »die Gegenwart manifestiere und die unsere Gegenwart inspirieren«. Es sind große Künstlerpersönlichkeiten, die zu Schlüsselfiguren der Kunst wurden, die Friedrich schon früh, ab der Gründung der Galerie Friedrich und Dahlem 1963 in München, förderte und zum Teil als Erster ausstellte und zu denen damals Gerhard Richter gehörte. Zu sehen ist das Porträt im Eingang der Südhalle neben dem Büro der Museumsleiterin Birgit Löffler, die zusammen mit dem Freundeskreis der Stiftung spektakuläre Neuerwerbungen vorzuweisen hat: Im Raum für Uwe Lausen ist nun auch, im Quadrat präsentiert, dessen elfteilige Grafikserie »Stoffwechsel« (1968) zu sehen. Und ein neuer Warhol erweitert die umfangreiche Sammlung seiner Werke. Das »Self-Portrait« von 1966 korrespondiert – die Hälfte des Gesichts im Schatten – mit der Darstellung Heiner Friedrichs durch Gerhard Richter.

Immer aufs Neue fasziniert der Lichtkünstler Dan Flavin. Eines seiner Hauptwerke, »European Couples«, ist nur hier vollständig zu sehen und besticht durch die minimalistische Magie im Quadrat angeordneter Neonröhren und ihrer mit dem Tageslicht sich verbindenden farbigen Strahlung. Es gibt, was solche Lichtkunst betrifft, eine Querverbindung nach Polling bei Weilheim, wo im historischen Fischerbau in Kooperation mit DASMAXIMUM eine monumentale Lichtskulptur Flavins zu sehen ist. Ebenfalls in Polling sind Licht- und Sound-Installationen der Künstlerin Marian Zazeela und des amerikanischen Komponisten La Monte Young zu erleben – auch sie seit den 70er Jahren mit der Galerie Friedrich verbunden. In Polling präsentieren sie die einzige Dauereinrichtung ihrer Environments »Dream House« in Europa – mit einer besonderen Qualität des Zeit-Wahrnehmens.

»…who knows the beginning and who knows the end…«

Jenseits der umliegenden Touristenpfade ist DASMAXIMUM ein Ort intensiver Reflexion. Abgesehen von knappen Bildinformationen bleibt der Besucher weitgehend alleine und frei im Dialog mit den Werken. So in der neuen, im Herbst 2016 eröffneten Halle, in der man nun zusätzlich zu den schon vorhandenen drei großen Paaren der »Equal Area Series« weitere Werke des Land-Art-Künstlers Walter de Maria wie die »Offenen Polygone« in ihrer mathematischen Präzision studieren kann.

Stehen sie im Gegensatz zu den minimalistischen und handwerklich oft seltsam unpräzise wirkenden Werken Blinky Palermos, der hier mit rund 30 Arbeiten vertreten ist? Es ist ein Glücksfall, wenn man während einer Führung mit Bernhard Schwenk, dem Chefkurator für Gegenwartskunst der Pinakothek der Moderne, die wohl größte zusammenhängende Präsentation und Setzung der Werke des jung verstorbenen, mysteriös gebliebenen und von Heiner Friedrich besonders geförderten Künstlers anfängt zu verstehen. Zu sehen sind nicht nur Klassiker wie das »Blaue Dreieck«, das zu Palermos Markenzeichen wurde, die Beispiele aller Bereiche des Œuvres wie Zeichnungen und Druckgrafik, Objekte, Stoffbilder und Metallbilder erlauben einen umfassenden Einblick in die Entwicklung seines Werks. Die offene Präsentation in der Tageslicht-Halle ermöglicht es, Wege in das Schaffen eines Künstlers zu suchen und zu gehen, der sich selbst in den 60er Jahren aufmachte, die Malerei neu zu erfinden: Es gelang ihm, Bild und Farbe in den Raum hinein zu öffnen, die Festlegung auf Bild oder Objekt zu überschreiten, Raum und Zeit zu entgrenzen. »…who knows the beginning and who knows the end…«, der Titel von Bernhard Schwenks Dissertation zu Palermo, zitiert Palermo selbst, er beginnt zu klingen in den Räumen, die Kunstgegenwart vermitteln und einladen, die ausgestellten Werke immer wieder neu zu entdecken: im wechselndem Licht der Jahreszeiten, in einem nie abgeschlossenen Prozess eigener Kunst-Erfahrungen. ||

DASMAXIMUM
Fridtjof-Nansen-Str. 16, 83301 Traunreut
bis 28. Oktober, Sa/So 12–18 Uhr | ab 29. Okt.,
Sa/So 11–17 Uhr (Winterpause im Dez.)

DAN FLAVIN: »UNTITLED 1970«
FischerBauKunst| Weilheimer Str. 12–14,
82398 Polling | bis 1. Oktober, Sa/So 14–18
Uhr und nach Vereinbarung: 0881 92779946

DREAM HOUSE
Kunst im Regenbogenstadl| Georg-RückertStraße 1, Polling | bis 29. Oktober| zwei Programme: Sa 15–18 Uhr, So 13–19.30 Uhr | 30. Sept.: Konzert »The Second Dream of the HighTension Line Stepdown Transformer«, Fassung für acht Trompeten