Es könnte das Opernereignis der Saison werden: Romeo Castellucci inszeniert Wagners »Tannhäuser« an der Staatsoper.

Tannhäuser, Probe mit Klaus Florian Vogt und Romeo Castellucci (rechts) | © W. Hösl

Romeo Castellucci, der Meister dramatischer Erfahrungswelten und radikaler Deutungen, ist wieder an der Bayerischen Staatsoper zu erleben, wo er schon zwei Kunstinstallationen zum »Ring des Nibelungen« zeigte. Diesmal fühlt der Theaterphilosoph Wagners »Tannhäuser« auf den Zahn. »Castellucci lässt sich von der Musik leiten, betrachtet Handlung, Konflikte, innere Zerrissenheit der Personen und entwickelt daraus gewaltige Bilder und szenische Vorgänge«, erklärt der Dramaturg Malte Krasting die Hintergründe der Neuinszenierung. »Dabei herrscht völliger Einklang mit dem musikalischen Leiter Kirill Petrenko, Respekt vor dem Orchester und den Sängern sowie eine bemerkenswert große Nähe zum Text.«

Tannhäuser, der vom Venusberg zu Elisabeth und zum Sängerkrieg auf der Wartburg stürzt, erleidet Schmerz, Ekel und Angst – die fleischlich-leibliche Existenz überfordert seine Sinne. »Es geht nicht um den Kampf zwischen Körper und Geist«, betont Krasting. »Im Vordergrund steht die Unmöglichkeit einer Liebe zwischen Elisabeth und Tannhäuser. Er ist ein Mensch, der immer zur falschen Zeit am falschen Ort ist, scheitert, Fehler macht.« Erst im Tod kommen die Liebenden zusammen.

Der italienische Regisseur beobachtete, dass sich die Ereignisdichte im Lauf des Stückes verlangsamt, die theatrale Zeit im dritten Akt stehen zu bleiben scheint. Und als Universalkünstler, auch für Bühnenbild, Kostüm und Licht zuständig, versucht er, diese Idee in starke visuelle Zeichen zu verwandeln. Eines davon ist der Pfeil. Im Libretto von der Jagdgesellschaft bis zu den Amoretten im Einsatz, fliegt er in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, um im dritten Akt in der Schwebe zu verharren.

Doch trotz technischer Raffinessen und dem weitmaschigen Geflecht von Motiven stehen die Figuren im Zentrum der Inszenierung. Klaus Florian Vogt feiert sein Debüt in der Titelpartie, für Christian Gerhaher ist es bereits die fünfte Produktion als Wolfram von Eschenbach und Georg Zeppenfeld singt den Landgrafen Hermann. Eine Traumbesetzung auch bei den Damen: Anja Harteros gibt die Elisabeth, Elena Pankratova die Venus. ||

TANNHÄUSER
Bayerische Staatsoper|ab 21. Mai (alle Vorstellungen ausverkauft, wieder ab 21.
September) | Tickets: 089 21851920