Italien kennt Vinicio Caposella als Meister vieler Klassen. Hierzulande aber kommt der Cantatore gerade erst an.

Vinicio Caposella| © Valerio Spada

Der Charmeur Paolo Conte macht mit achtzig Jahren im Wesentlichen das, was er schon vor zwei Jahrzehnten gemacht hat: mit »Ci bum ci bum bum« und Reibeisenstimme Nostalgie heraufbeschwören. Gelegentlich tut dies auch sein knapp 30 Jahre jüngerer Kollege Vinicio Caposella. In Hannover geboren, aber schon kurz danach zog seine Familie in die Emiglia Romana. In Italien ist der Klavier und Gitarre spielende Cantatore mittlerweile ein die Stadien füllender Star und das trotz künstlerischer Unberechenbarkeit: heute Zusammenarbeit mit Shane MacGowan (»The Pogues«), morgen mit Evan Lurie und Marc Ribot, schrägen Vögeln aus dem Umfeld von John Lurie. Aber es gibt bei ihm auch volksnahe Erdung, mazedonische Blechbläser, griechischen Rembetiko und illustre Vertreter der italienischen Folkszene in der Freundesliste.

Nicht weniger wichtig für seine trotz allem unverkennbare Mixtur sind Blues und Jazz. Kollegen wie der im vergangenen Jahr verstorbene Gianmaria Testa – und natürlich Paolo Conte – sind meist mit hervorragenden Musikern aller Sparten unterwegs. Die Aufzeichnung eines Caposella-Konzertes im Pariser »Alhambra« vom Januar (Arte-Mediathek) weckt Hoffnungen, dass auch er mit einem hochkarätigen Team antreten wird, um sein ganzes Spektrum von geheimnisvoll bis sarkastisch, von zart bis derb, vom Arbeiterlied mit experimentellen Einsprengseln bis zur Beinahekitsch-Ballade auf die Bühne zu bringen.

Bislang war der wohl schillerndste Musiker Italiens nur selten in Deutschland zu erleben. Nun aber kommt er mit seinem Magnum Opus, der wunderbar grimmigen Musik des Doppelalbums »Canzoni della Cupa«. Dessen leider nicht tourtaugliche Gästeliste verrät, dass einige unter Caposellas »Nachtgestalten« Texmex-Kostüme tragen: Howe Gelb, Los Lobos, der Akkordeonheroe Flaco Jiménez und immer wieder Vinicios Special Friends von Calexico. Aber Caposellas Band wird auch diese Vorbilder bei einem Konzert würdig vertreten, dessen Ausnahmestatus sich selbst Besuchern erschließen dürfte, die des Italienischen nicht mächtig sind. ||

VINICIO CAPOSELLA
Freiheiz| Rainer-Werner-Fassbinder-Platz 1
12. Mai| 20 Uhr | Tickets: 089 54818181