Gonjasufi ist ein Magier des Hip-Hop, irgendwie irre und rätselhaft kryptisch. Im April lädt der Kalifornier zum Hochamt der Avantgarde.

Eine Klangwelt voller Denkaufgaben: Gonjasufi fordert den Hip Hop heraus | © Saccenti 2016

Schon vor seinem Plattendebüt 2010 als Gonjasufi fiel der Kalifornier Sumach Ecks als Gastsänger auf dem Album »Los Angeles« seines Kollegen Flying Lotus auf, der wiederum als Guru des progressiven Hip-Hop gilt. Das soll an dieser Stelle nur erwähnt werden, weil auf Gonjasufis drittem Studiowerk »Callus« Flying Lotus einen Gastauftritt hat. Zwar gerät auch dieses Album von 2016 nicht mehr ganz so herausragend wie der Erstling »A Sufi And A Killer«, der allerdings auch dermaßen durchgeknallt ausfiel, dass Erwartungen in dieser Hinsicht nicht mehr überboten werden können. Dennoch bleibt Gonjasufi auch in einer gemäßigteren Form seinem Image als extravagante Erscheinung treu, die ihre Musik im Übrigen auch mehr andeutet als ausformuliert. Als habe der Kalifornier begriffen, dass das Beste an dem nie erschienenen Album »Smile« seiner Landsleute The Beach Boys dessen Idee war und nicht die dafür vorbereiteten Songs.

Dass der ansonsten auch als Yogi tätige Gonjasufi solche Ideen einer Musik leibhaftig zu intonieren weiß, ohne sie allzu ernüchternd zu verkörperlichen, dürfte die Stärke jenes Sängers sein, der nicht singen kann, mit seiner knarzigen Stimme aber formvollendet wie einst Moondog eine Vorstellung von dem abliefert, wie toll seine Songs mit eben dieser Stimme klingen können. Das berührt nicht nur, es zieht einen regelrecht in den Kosmos des Künstlers hinein. Will man als Zuhörer aber in jener Welt verweilen, sollte man vorbehaltlos springen, wenn der Meister dazu auffordert. Denn ausufernde Stücke wie »Maniac Depressant« brechen schon nach zweieinhalb Minuten ab, als wollten sie augenzwinkernd den zurückgelassenen Hörern signalisieren: Zu spät! Nächster Song. Und sie fordern heraus, das Publikum und auch Kollegen. Als aktuelles Statement haben sich Stilnachbarn von Massive-Attack-Gründer Daddy G bis hin zu Portishead-Stimme Beth Gibbons seiner Stücke angenommen. Heißt dann »Mandela Effect« und flankiert als Remix-Album den Auftritt des Hip-Hop-Yogis im Feierwerk. ||

GONJASUFI
Feierwerk| Hansastr. 39 | 23. April | 21 Uhr
Tickets: 01806 570070