Singen ist existenziell. Und deshalb hat sich Christiane Rösinger lange Zeit gelassen, um wieder auf die Bühne zu kommen.

Christiane Rösinger © Dorothea Tuch

Inspiriert von Ton Steine Scherben zog Christiane Rösinger nach Berlin. Hier gründete sie die Bands Lassie Singers und Britta. Letztere wurde übrigens nach deren mittlerweile verstorbenen Schlagzeugerin Britta Neander benannt, die ebenfalls bei Ton Steine Scherben mitgespielt hatte. 2010 veröffentlichte Rösinger dann in Zusammenarbeit mit Andreas Spechtl von Ja, Panik! ihr erstes Soloalbum »Songs of L. and Hate«. Dann verstummte sie sieben Jahre lang als Musikerin. So, als habe sie mit ihrem Soloalbum alles gesagt, was noch zu sagen gewesen wäre. Lediglich als Autorin, die unter anderem die schon von den Lassie Singers besungene »Pärchenlüge« nunmehr wissenschaftlich untermauert entlarvte, blieb sie aktiv.

Nun endlich bricht die Sängerin mit dem zweiten Soloalbum »Lieder ohne Leiden« ihr musikalisches Schweigen. »Und weil ich melancholisch bin, nehme ich alles schwer. Und weil ich musikalisch bin, gibt das ein paar Lieder her«, verrät sie gleich im ersten Song ihr Erfolgsrezept. Sofort rechtfertigt sie damit auch ihre siebenjährige Pause: »Ich kann mir doch nicht jedes Jahr das Herz ausreißen«. Vor allem aber bringt sie ihre Themen so pointiert auf den Punkt, dass auch das neue Album in gerade mal einer halben Stunde eine Komplexität entfaltet, für die andere Künstler ganze Editionen beanspruchen.

Rösinger braucht dafür lediglich die Unterstützung ihres Lieblingsdichters Heinrich Heine und einen Text von Heinrich von Kleist: »Das gewölbte Tor« wirkt in gemeinsamer musikalischer Aufbereitung mit Andreas Spechtl erneut so endgültig, dass hiernach mindestens sieben weitere schweigsame Jahre zu befürchten sind. Fast möchte man meinen, die Sängerin versinke am Ende jenes Stücks in der Musik, mit welcher sie dann für immer verklänge. Zufrieden jedoch konstatiert sie noch mit Kleists Worten, dass eine steinerne Torwölbung nur darum nicht zusammenbricht, weil alle sich darin gegenseitig stützenden Steine auf einmal einstürzen wollen. Soll nicht sein, will sie nicht, deutet sie nur an. ||

CHRISTIANE RÖSINGER
Strom | Lindwurmstr. 88 | 12. April| 20.30 Uhr
Tickets: 0180 6050400