Isabella Rossellini liebt Experimente. Als Schauspielerin, Autorin und Fotomodell erlangte sie Weltruhm. Zu Kopf gestiegen ist der ihr jedoch nicht. Das zeigt auch das neue handfeste Hobby der gebürtigen Römerin: Sie ist unter die Hühnerzüchter gegangen. Davon handelt auch ihr soeben erschienenes Buch – wir sprachen mit der frischgebackenen Autorin.

Isabella Rossellini mit Küken | ©Patrice Casanova / courtesy Schirmer/ Mose

Frau Rossellini, was hat Hühnerzucht mit Philosophie zu tun? Einerseits sind Sie in Ihre eigene Hühnerzucht auf Long Island verliebt und haben selbst schon jede Menge Expertenwissen in diesem Bereich gesammelt, andererseits gehört Luciano de Crescenzo – einer der berühmtesten Philosophen Italiens – zu
Ihren engen Freunden. Was war also zuerst da, das Huhn oder das Ei?

Oh ja, Luciano weiß in der Tat so viel … Aber ich? (lacht). Er würde da wohl auch streiken. Er hat in jedem Fall für die Philosophie das getan, was ich für die Hühner versuche. Beide probieren wir über Dinge relativ kurz und zudem ziemlich unterhaltsam zu sprechen. Auf Ihre Frage hin: Für mich persönlich war’s natürlich immer schon das Huhn! Ich lebe in New York, also genauer gesagt ungefähr hundert Kilometer davon entfernt: Dort habe ich eine Farm, einen großen Garten, eine umgebaute alte Scheune, viele Tiere – wie Schweine, Bienen oder Schafe – und neuerdings auch jede Menge Hühner, die ich dort züchte. Vor gut vier Jahren habe ich damit angefangen.

Außerdem haben Sie inzwischen einen Universitätsabschluss in Verhaltensbiologie, was nicht so bekannt ist.
Ich lernte zur selben Zeit, als ich studierte, wie man theoretisch und praktisch mit Hühnern umgeht. Dieser besondere Mix mit 80 Hühnern in meinem Leben gefällt mir aktuell sehr gut. Dabei habe ich schnell auch gelernt, dass Hühner, die nicht unbedingt ein gutes Image haben und von manchen deshalb als recht dumm empfunden werden, eigentlich sehr intelligent sind: Das sind doch ziemlich clevere Tiere! Sie können zum Beispiel auf gewisse Weise »zählen«, legen total unterschiedliche Eier, wenn man sie denn lässt, und haben obendrein besondere Farb rezeptoren, genauer gesagt: vier Stück, sodass sie ihr Federkleid noch viel intensiver wahrnehmen können als wir Menschen, die nur drei haben. Alles muss für sie viel bunter aussehen!

Isabella Rossellini liebt ihre Hühner nicht nur, sie zeichnet sie auch
©Isabella Rossellini / courtesy Schirmer / Mosel

Haben Tiere für Sie auch so etwas wie Persönlichkeit? Welche Wesenszüge haben Sie beispielsweise bei den Hühnern auf Ihrer Farm entdeckt?
Sie haben wirklich ganz eigene Charaktere. Manche von ihnen sind scheu oder sogar richtig zurückhaltend, andere wiederum ziemlich eigensinnig, weil sie ständig wegfliegen, weshalb wir sie auch für mein Buch gar nicht erst fotografieren konnten. Deshalb habe ich sie vereinzelt gezeichnet. Und ein rot gefiedertes Huhn habe ich, das mir sogar in die Scheune folgt, mich oft Schritt für Schritt begleitet, sei es draußen oder im Auto, wo es meistens schon auf dem Beifahrersitz auf mich wartet.

Warum haben Sie denn eigentlich als New Yorker Stadtkind mit der Hühnerzucht begonnen? Und was hat Sie überhaupt dazu gebracht, den roten Teppich gegen schmutzige Hände einzutauschen?
Ich hatte mir zuerst eine kleine Schachtel mit Hühnerküken aus dem Internet bestellt. Besondere natürlich, weil ich mich für alte Rassen, sogenannte »Heritage Chicken Breeds«, interessiere. Der Paketfahrer hatte sie zuerst einfach in meiner Garage abgestellt. Und bald hörte ich dann daraus so komische Geräusche – und sah sie mir das erste Mal genauer an. Hühnerküken sehen im ersten Moment ziemlich seltsam aus, und so kam mir dann auch rasch die Idee, sie bei ihrem Aufwachsen mit der Kamera zu begleiten: sozusagen bis zu ihrem ersten Ei.

Sind Sie eigentlich als Kind auch schon früh mit Hühnern in Berührung gekommen? Schließlich hatte Ihr Vater Roberto Rossellini 1952 einen wunderbaren Kurzfilm als Teil des Omnibus-Projekts »Siamo Donne« mit Ihrer Mutter in der Hauptrolle gedreht. Ingrid Bergman spielt sich in »The Chicken« quasi selbst und gerät dabei in einen Streit mit ihrer Nachbarin – und deren Huhn.
1952 war das? Also sogar in meinem Geburtsjahr, das ist ja unglaublich! Ich hatte es eben schon früh mit Hühnern (lacht). Sehen Sie: Als Italienerin habe ich im Grunde eine größere Affinität zum Land als zur Stadt. Zusammen mit meinen Geschwistern wuchs ich mit einigen Tieren auf – zum Beispiel mit mehreren Hunden und Katzen, Hamstern und Goldfischen – und selbstverständlich hatten wir auch eigene Hühner, also auch eigene Eier für das gemeinsame Familienfrühstück. Ich liebte das! Heute freue ich mich jedes Mal wieder, wenn ich auch bei mir auf der Farm frische Eier einsammeln kann, die ich dann mit großer Freude selbst esse. Außer im Winter: Da legen sie gar keine Eier.

Verspeisen Sie denn auch das Fleisch Ihrer so geliebten Gefiederfreunde?
Nein, das bringe ich nicht übers Herz! Ich bin zwar keine Vegetarierin und mag schon Fleisch. Aber ich kann nur Fleisch von anderen Tieren essen, also von Hühnern, die ich nicht kenne. Anders würde ich es überhaupt nicht aushalten: Das geht einfach nicht! Ich kenne sie ja praktisch alle persönlich (schmunzelt)

Verstehen Sie sich dann eher als Missionarin für den Tier- und Artenschutz?
Ich möchte im Prinzip überhaupt niemanden mit meinem Hühner-Buch belehren, ihn auf irgendeine Art und Weise unterrichten oder gar zu etwas ermahnen. Ich möchte die Menschen damit vor allem unterhalten, ihnen interessante und witzige Dinge über das Leben der Hühner mitteilen.

Sie gelten ja spätestens seit Ihrem überaus humorvollen Kurzfilmzyklus »Green Porno« sozusagen als Expertin für das Sexualverhalten von Tieren: Sind Hühner denn gute und treue Liebhaber?
Die paar Hähne, die ich besitze, haben im Prinzip schon so etwas wie einen privaten Harem. Jeder kämpft da um seine Weibchen, auch um mich. Einer hat mich schon mehrfach angegriffen, obwohl ich viel größer bin als er. Das Liebesspiel bei ihnen geht recht flott, und diejenigen Hühner, die ihren Hahn nicht so sehr mögen (sie macht eine lustige Geste mit der Hand), lassen sein Sperma hinten gleich wieder raus … Das nenne ich Frauenpower, da haben die Hühner die Kontrolle! Ich versuche die Menschen mit dem Ganzen in erster Linie zum Lachen zu bringen. Natürlich möchte ich ihnen dabei auch etwas mitgeben. Ich bemühe mich aber, alles möglichst einfach und locker zu gestalten, sodass es auch Kinder verstehen können. Am glücklichsten bin ich immer dann, wenn die Reaktionen so ausfallen: Hahaha – ah! (lacht)||

ISABELLA ROSSELLINI: MEINE HÜHNER UND ICH
Text und Zeichnungen von Isabella
Rossellini | Mit Fotografien von Patrice Casanova | 112 Seiten, 63 Fotografien, 70 Zeichnungen
Schirmer / Mosel Verlag
24,80 Euro

AUSSTELLUNG »MEINE HÜHNER UND ICH«
mit Zeichnungen von Isabella Rossellini
Schirmer/Mosel Showroom in den Hofgartenarkaden
Galeriestr. 2 | bis 29. April| Mo bis Fr 12–19 Uhr, Sa 12–15 Uhr