Kammerspiele: In »Rima Kamel« blickt die libanesische Sängerin Rima Khcheich auf ihre Karriere zurück.

Heute bestimmt sie selbst: Rima Kcheich | © Judith Buss

Auf der Bühne flimmern Schwarz-Weiß-Aufnahmen über eine Videoleinwand, auf denen ein kleines Mädchen mit einer Blume im Haar ans Mikrofon tritt. Davor steht Rima Khcheich, die sich selbst betrachtet und die Fernsehbilder mit einer Mischung aus Wehmut und trockener Lakonie kommentiert. Die gefeierte libanesische Sängerin begibt sich in der Kammer 3 auf eine Reise in ihre eigene Vergangenheit, erinnert sich anhand von Dokumenten aus den 80er Jahren an den Beginn ihrer Karriere als Rima Kamel während des Bürgerkriegs. Schon als 11-Jährige beherrschte das Mädchen mit der »Jahrhundertstimme« selbst die schwierigsten Gesangspartien in traditionellen arabischen Liedern. Was dies bedeutet, welch außergewöhnliche Leistung es darstellt, kann ein westlicher Banause allerdings nur erahnen und theoretisch wertschätzen.

Wie bei allen Wunderkindern wurde ihre Karriere von Erwachsenen dominiert. Den Namen Rima Kamel, den sie schon lange nicht mehr benutzt, hatte sie nicht selbst gewählt, er war eine Erfindung Abdel Wahabs, des »Königs der arabischen Musik«. Heute blickt die 42-Jährige mit leiser Melancholie und wachsender Distanz auf den Kinderstar, der von anderen erschaffen wurde, der für immer ein Teil ihres Ichs ist und ihr zugleich wie eine fremde abgelegte Identität erscheint. Geblieben aus jenen Jahren ist ihr ein Koffer mit einem blassgelben Rüschenkleid und vergilbten Zeitungsartikeln, mit Erinnerungsstücken, die sie langsam auf der Bühne ausbreitet.

Der für sein politisches Diskurstheater bekannte libanesische Regisseur Rabih Mroué präsentiert in seiner zweiten Arbeit an den Kammerspielen ein minimalistisch inszeniertes Dokustück auf Arabisch mit deutschen Obertiteln. »Rima Kamel« ist die Geschichte einer (vorsichtigen) Emanzipation und eine sehr sympathische One-Woman-Performance. Man hätte sicherlich mehr daraus machen können, dafür jedoch wäre eine stärkere künstlerische Übersetzung und Einbindung dieser Biografie in ihren gesellschaftlichen und historisch-politischen Kontext nötig gewesen. Über die Zeit des Bürgerkriegs, die Instrumentalisierung der kleinen Rima als Botschafterin des Südens und Protestfigur gegen die israelische Besatzung etwa hätte man gern mehr erfahren.

In deutschen Zuschauern rufen die Bilder des legendären Konzerts mit dem Beirut Ensemble for Arab Music, die Liedtitel und Namen, die Rima Khcheich zitiert, kein emotionales Echo hervor. Erst gegen Ende, wenn sie erzählt, wie sie sich aus der Fremdbestimmung durch starke Männer zu lösen begann, rückt sie etwas näher zu uns heran. ||

RIMA KAMEL
Kammerspiele, Kammer 3 | 17., 18. März, 28., 29. April| 20 Uhr
Tickets: 089 23396600