Fünf Kabarettisten hatten in München Premiere mit ihrem neuen Programm. Lesen Sie hier die Kritiken zu Sigi Zimmerschied und Michael Altinger. Die Texte zu Alfred Dorfer, Ecco Meineke und Stephan Zinner gibt es in der März-Ausgabe.

Sigi Zimmerschied: »Der siebte Tag – Ein Erschöpfungsbericht«

Nie war er göttlicher: Sigi Zimmerschied | © Axel Schubert

Am Anfang war das Dunkel. Erst als der im Düstern herumtappende Schöpfungsassistent Berti demütig auf Knien betet »Es werde Licht«, lässt der grantige Gott, der wütend aus dem Off schimpft, es werden. Was Berti, Gottes rechte Hand und »kosmischer Arsch vom Dienst«, über die Genesis erzählt, widerspricht aller biblischen Überlieferung. Eigentlich war’s nur ein Wettbewerb der Weltenschöpfer, aber bei dieser Galaxiade hat Gott eben nicht gewonnen. Und er hält sein Werk für so misslungen, dass er es am liebsten gleich wieder »mit dem Hammer z’sammhauen« möchte. Vor allem die verhasste Spezies Mensch: »Die da unten sollen sich ausradieren, so schnell wie möglich.« Der Berti aber mag das katastrophale Chaos und seine Bewohner. Er handelt einen Deal aus: Wenn er Gott einmal im Jahr zum Lachen bringt, darf die Erde weiterbestehen.

Mit seinem 18. Kabarettsolo »Der siebte Tag – Ein Erschöpfungsbericht« unternimmt Sigi Zimmerschied einen fulminanten Feldzug gegen die Dummheit, die täglich neue Katastrophen gebiert. Der 63-jährige Passauer ist ein Satire-Kraftwerk, das sich aus unbändigem Zorn speist. So vernichtend, wie Gott über die Menschen urteilt, so despektierlich redet sein Assi über den Chef. Der spielt zur Entspannung gern in der Hopperl-Kiste: Hopperl sind all die Sachen, die beim Erschaffen danebengegangen sind. Zum Beispiel der Affe, der grad noch als Material für den Menschen taugte. Die sieben Schöpfungstage sind in Bertis Bericht eine einzige Reihe von Zufällen und göttlichen Schnapsideen.

In seinen früheren Programmen entwarf Sigi Zimmerschied aus der geistigen Begrenztheit von Kleinbürgern das Schreckensmodell unserer Gesellschaft. Hier geht er den umgekehrten Weg, zertrümmert Religionsmythen und Weltbilder mit bairischem Berserker-Furor, mäht mit sarkastischem Witz die Ergebnisse der sozialen Evolution im Großen wie im Kleinen nieder. Vor seiner Wortgewalt und seinen überbordenden, teils absurden Einfällen hat nichts Bestand: »Nur weil ma was net kann, is des net scho wertvoll.« Höherentwicklung? »Intelligenz ist ein Evolutionshemmer.« Der freie Wille? War ein Vorschlag Bertis, um den Boss zu erheitern.

Sein radikales Gegenmodell eines Schöpfungsberichts hat eine durchgehende Stück-Dramaturgie, die Zimmerschied trotz aller ausufernden Seitenhiebe auf Entertainer, Funktionäre und historische Politiker immer wieder einfängt. Er ist als Autor wie als Darsteller ein Solitär – der beste Zimmerschied, den es je gab. ||

SIGI ZIMMERSCHIED: »DER SIEBTE TAG – EIN ERSCHÖPFUNGSBERICHT«
Lustspielhaus| 13. März, 10. April| 20 Uhr
Tickets: 089 344974

Fraunhofer | 15.–18., 22.–25. März| 20.30 Uhr
wieder im August | Tickets: 089 267850

Lach & Schieß| 30. Mai–2. Juni| 20 Uhr
Tickets: 089 391997

Michael Altinger: »Hell«

Michael Altinger | © Martina Bogdahn

Der Michi ist halt eine ehrliche Haut und ein guter Mensch: Weil er beim Einparken »female style« (!) einen Maserati touchiert hat, übernimmt er sofort die Schuld und will für den Lackschaden aufkommen. Denn er glaubt an Gott, sucht das Licht der Aufklärung, besingt rockig den kategorischen Imperativ. Der Programmtitel »Hell« spielt mit der deutsch-englischen Doppelbedeutung, weil der Niederbayer weiß: »Der Himmel wird erstaunlich hell, wenn es die Hölle gibt.« Die stellt er sich als Theoretiker-Baumarkt vor, in dem man nichts findet.

Und wenn’s »um die Wahrheit, die reine Moral« geht, kann man auch mal Spitzel bezahlen.Allerdings wurde »die Moralphilosophie erfunden vor der Vollkaskoversicherung«. So machen einige Handy-Telefonate mit dem Versicherungsagenten aus den Unfall-Fakten allmählich alternative Fakten, und am Ende schiebt ein geharnischter Brief dem Unfallgegner die Schuld zu. Genau das ist Altinger selbst passiert, nur war er der Geschädigte. Er will die »Entsolidarisierung der Gesellschaft« aufspießen, aber dieser rote Faden lässt ihm viel Spiel-Raum für Exkursionen über Verschwörungstheorien, Sprizz-Tussis und den Fitness- Kult seines Spezls Pauli.

Oder über Hellmuth Lux (!), den Erfinder so sinnloser Bedürfnisse wie dem nach einer Gabione, einem steingefüllten Drahtkäfig als Gartenzaun. Beim Feminismus war der Michi von Anfang an dabei – als
Feindbild. In seinen Songs (Martin Julius Faber ist die Ein-Mann-Band) parodiert er gekonnt Popstar- Posen und Elvis-Hüftschwung. So manches bleibt in dieser quirligen Nummernrevue (Co-Autoren: Thomas Lienenlüke, Alex Liegl) allerdings abseits des roten Fadens als loses Ende hängen. Aber das tut dem Entertainment wenig Abbruch. ||

MICHAEL ALTINGER: »HELL«
Stadthalle Germering| 18. Mai| 19.30 Uhr
Tickets
Kulturhaus Milbertshofen| 18. März| 20 Uhr
Tickets: mail@stueckundwerke.de
Lach & Schieß| 4.–8. April| 20 Uhr
Tickets: 089 391997
Schlachthof| 27. April| 20 Uhr
Tickets
Bürgerhaus Eching| 12. Mai| 20 Uhr
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