Josef Hader, seines Zeichens österreichischer Kabarettist und unnachahmlicher Protagonist der Wolf-
Haas-Verfilmungen, hat mit »Wilde Maus« zum ersten Mal Kinoregie geführt. Ein Gespräch über Freispiele beim Flippern, Ölpumpen in »Indien« und die richtige Atmosphäre am Set.

Josef Hader in seinem Regiedebüt »Wilde Maus«. Darin spielt er auch die Hauptrolle | © Ioan Gavril / Majestic

Herr Hader, Sie sind am 14. Februar 55 Jahre alt geworden. Wie haben Sie gefeiert?
Ich feiere grundsätzlich nicht so gerne. Drum gab es keine große Geburtstagsparty, stattdessen bin ich in die Kinos von Niederösterreich gefahren, nach Amstetten und St. Pölten und Wiener Neustadt. Dort habe ich das Publikum getroffen, das sich meinen Film anschaut. Das war für mich nicht der schlechteste Geburtstag, ich hatte schon schlechtere.

Jetzt führen Sie bei »Wilde Maus« ja erstmals Regie. Ehrlich gesagt, das hätte ich Ihnen nicht unbedingt zugetraut.
Ich mir auch nicht. Aber ich habe mir gedacht, ich muss keine Angst haben, ich bin ja eh Kabarettist. Wenn ich also mit der Regie total Mist baue, dann kann ich ja weiterhin Kabarett machen. Ich habe mir gesagt, das ist so was wie ein Freispiel beim Flippern. Ich war neugierig, was draus wird, wenn ich das einmal allein mache. Auf der Bühne bin ich ja auch ein Geschichtenerzähler, da liegt die Filmregie nicht so weit entfernt, wie es auf den ersten Blick scheint.

Haben Sie da nicht ein paar Leute verprellt, mit denen Sie in den letzten Jahren erfolgreich zusammengearbeitet haben?
Im Gegenteil, ich habe da große Unterstützung erfahren. Gerade Wolfgang Murnberger, mit dem ich die Brenner-Filme gemacht habe, hat mir ab dem Zeitpunkt, wo er gewusst hat, dass ich Regie führen möchte, sehr geholfen. Bei unserem letzten Film »Das ewige Leben« hat er mich auch in bestimmte Abläufe miteinbezogen, immer mit dem Hinweis: »Josef, wenn du dös a mal machen willst, schau her, so ist das.« Er hat mich quasi beim »ewigen Leben« als seinen Auszubildenden betrachtet.

Wie haben Sie denn jetzt die etwas schizophrene Situation gemeistert, sich selbst Regieanweisungen geben zu müssen?
Das musste ich ja nicht. Ein Regisseur schraubt normalerweise im Film nicht so an seinen Schauspielern herum wie im Theater. Es ist schon so, dass man als Schauspieler manchmal Ideen oder Vorschläge vom Regisseur bekommt. Aber das passiert nicht ständig. Deswegen ist das Regieführen vorwiegend eine Sache des Gespürs für die richtigen Schauspieler. Und beim Dreh muss man dann schauen, dass die Darsteller von der Technik »freigespielt« sind, dass sie vergessen, dass es da ein Filmteam gibt. Deshalb habe ich versucht, eine Atmosphäre herzustellen, wie ich sie mir als Schauspieler wünsche.

Ein Kinofilm lebt von Kinobildern. Ich erinnere mich noch an »Indien«, wo es diese Fahrten durch die Windmühlenlandschaften gibt. Und jetzt haben Sie sich für »Wilde Maus« in einer wunderbaren alpinen Winterlandschaft verbuddelt …
… Entschuldigung, ich wollte Ihnen nur sagen: In »Indien« waren es in Wirklichkeit Ölpumpen. Aber es ist schön, dass das ökologische Bewusstsein jetzt schon so weit ist, dass wir in der Erinnerung die Ölpumpen zu Windrädern machen. Aber wahrscheinlich stehen dort jetzt tatsächlich Windräder und keine Ölpumpen mehr.

Wie peinlich, Sie haben natürlich Recht, es waren Ölpumpen! Aber nun zurück zu den Kinobildern. Wie haben Sie diese kreiert?
Ich habe lange überlegt, wen ich für die Kamera nehmen soll. Und dann sind mir Andreas Thalhammer und Xiaosu Han aufgefallen, vor allem, weil jeder ihrer Filme anders ausgeschaut hat. Und es hat mir natürlich auch gut gefallen, dass sie auf keiner Filmhochschule waren und genauso Autodidakten sind wie ich. Als ich sie dann kennengelernt habe, habe ich schnell gewusst, dass wir sehr gut zusammenarbeiten werden. Vor allem, weil ich gespürt habe, dass wir dasselbe meinen, wenn wir vom selben reden.

Bertoluccis »Tragödie eines lächerlichen Mannes« oder Molières »Menschenfeind« – in welcher Richtung würden Sie Ihren Film sehen?
Das ist jetzt peinlich, sie decken gleich zwei Bildungslücken bei mir auf einmal auf. Den Bertolucci habe ich nie gesehen. Von Molière habe ich sicher einige Stücke gesehen, aber »Der Menschenfeind« war, glaub ich, nicht dabei.

Hier geht es mehr um die Titel, die ja auch schon einiges an Aussagekraft besitzen.
Die Lächerlichkeit ist mir schon sehr wichtig. Der Hauptcharakter Georg macht ja eigentlich sehr unsympathische Dinge wie diese kleinen Sachbeschädigungen. Und damit der Zuschauer ihn trotzdem mag, ist es schon eine große Hilfe, wenn Georg sich weitgehend lächerlich macht. Das ist vielleicht die einzige Möglichkeit, dass er vom Publikum gemocht wird. Also eher Bertolucci. Weil Menschenfeind trifft es nicht so. Das ist ja doch eine sehr stolze philosophische Haltung, und ein echter Menschenfeind würde auch keine kleinliche Rache üben, der würde sich gar nicht darauf einlassen.

Ohne zu viel verraten zu wollen: Am Schluss kommt es zwischen Ihnen und Ihrer formidablen Kollegin Pia Hierzegger zu einem Wahnsinns-Dialog. Wie kam denn dieser zustande?
Es war so, dass ich mit diesem Dialog nie zufrieden war. Mit keiner Fassung. Und es wurde mir auch von anderen gesagt, dass der Dialog sie ratlos macht. Wir haben dann einfach weiter daran gearbeitet. Das mache ich mit allen Schauspielern: Wir improvisieren und versuchen, den Text weiterzuentwickeln Und als die Szene drankam, hatten wir sie so weit, Gott sei Dank.

Haben Sie nun Blut geleckt? Wird es weitere Regiearbeiten von Josef Hader geben?
Ich muss sagen, das war eine der schönsten Arbeiten, die ich je gemacht habe. Ich rede da nicht nur von Regie, auch vom Schreiben und davon, beim Dreh dann immer mehr Menschen in so ein Projekt reinzulassen, um dann in der sehr intimen Atmosphäre des Schneideraums den Film endgültig zu erzählen … das ist eine wunderbare Arbeit. Sollte ich wieder einmal ein ganz eigenes Drehbuch schreiben, dann würde ich das gerne wieder genauso machen ||

WILDE MAUS
Österreich 2016 | Regie und Drehbuch: Josef Hader | Mit: Josef Hader, Pia Hierzegger, Jörg Hartmann | 103 Minuten | Kinostart: 9. März