Statt zum 80. Geburtstag Memoiren zu schreiben, befragt sich der Kabarettist Werner Schneyder selbst.

Wie soll man einen Mann kategorisieren, der in so vielen verschiedenen Professionen immer höchst professionell war? In seinem 400-Seiten-Buch »Ich, Werner Schneyder. Meine zwölf Leben«, das er vor zehn Jahren zu seinem 70. Geburtstag veröffentlichte, listete Werner Schneyder seine Berufe so auf: Journalist, Dichter, Kabarettist, Sänger und Entertainer, Übersetzer, Regisseur, Dramatiker, Schauspieler, Drehbuchautor, Box-Kommentator, Essayist, Erzähler. Und beschreibt, wie er das jeweils wurde.

Am bekanntesten ist er bei uns als Kabarettist – vor allem im Duo mit dem großen Dieter Hildebrandt von 1974 bis 1982, dem er ein kongenialer Partner war. Danach legte er vier Soloprogamme vor, ehe er dem Kabarett Adieu sagte. Mit Hildebrandt zusammen spielte er 2000 noch Neil Simons Komödie »Sonny Boys« am Residenztheater, die Jörg Hube als selbstironische Reverenz an die Kabarett-Matadoren inszenierte.

Zum 80., hätte Schneyder seine Memoiren schreiben sollen. Aber lineares autobiografisches Erzählen ist nicht seine Sache, ihm geht es um Haltungen und Positionen. Und weil Werner Schneyder die Deutungshoheit über seine Persönlichkeit keinem anderen überlässt, hat er ein ausführliches »Gespräch unter zwei Augen« mit sich selbst geführt. Schneyder interviewt sich selbst zu allem, was ihm wichtig ist. Die Aufspaltung ermöglicht ihm, Gegenmeinungen ein- und Kritik vorwegzunehmen – ein cleverer Trick. Wobei sich der doppelte Schneyder zunehmend einiger mit sich selbst wird. Natürlich ist das pure Selbstdarstellung, nicht frei von Eitelkeit.

Aber die sehr persönlichen Stellungnahmen zu den unterschiedlichsten Themen wie Kabarett, Freunde, Politik, Sport, Schach, Trinken bis zu Alter und Tod verstecken und beschönigen wenig. Was Schneyder über all das denkt, sagt er im Klartext und trotz aller dialektischen Analyse durchaus emotional gefärbt. 1994 hatte er seinen Abschied vom Kabarett verkündet. Doch die Politik treibt ihn immer noch um und macht ihn wütend – derzeit mehr denn je. Deshalb stand er an seinem Geburtstag am 25. Januar in Wien mit einem neuen Solokabarett auf der Bühne: »Das war’s von mir«. Man wird es hoffentlich bald auch in München sehen können. Ob der zweideutige Titel wirklich ernst gemeint ist? KabarettFans hätten nichts gegen mehr von ihm. ||

WERNER SCHNEYDER: GESPRÄCH UNTER ZWEI AUGEN. DIALOG EINES LEBENS
Amalthea Verlag, 2016 | 269 Seiten | 22 Euro