Die Micro Oper München schafft sich ihren eigenen Schubert. Premiere hat das Projekt »Winter« im HochX.

Winter: v.l. Maciej Sledziecki, Cornelia Melián, Marion Wörle,
Philip Zoubek | © Christian Zach

Winter ist eine Jahreszeit. Aber er ist auch ein Konzept, assoziiert mit Kälte, Unwirtlichkeit, Hoffnungslosigkeit, Tod. Franz Schubert hat diesem Ideenkomplex ein Denkmal gesetzt, als er 1827
seinen Liederzyklus »Winterreise« zu Gedichten von Wilhelm Müller schrieb. Es wurde mit eindringlicher Klangsprache eines der Referenzwerke der abendländischen Musikkultur und inspiriert auch nach fast 200 Jahren Kulturschaffende vielerlei Herkunft.

Cornelia Melián zum Beispiel, Gründerin des unabhängigen zeitgenössischen Musikensembles Micro Oper München, sah sich aus verschiedenen Impulsen heraus mit dem Themenfeld Winter konfrontiert. Der Schmerz von Menschen auf der Flucht, der Wahnsinn globaler Selbstzerstörung, der zunehmende Mangel an Empathie sind nur drei Beispiele von vielen, die für ein aktuelles Szenario der Bedrohung stehen. Schubert mag das für seine Zeit ähnlich empfunden haben, Musik und Texte jedenfalls eignen sich hervorragend, um als Ausgangspunkt für das Konzeptstück »Winter« zu dienen. Meliáns Gesang und Stimme, Maciej Sledzieckis Gitarre, Marion Wörles Computer, das präparierte Klavier von Philip Zoubek verbinden sich mit Raumideen von Manuela Hartel, dem Sound von Mathias Nitschke, dem Licht von Rainer Ludwig, Kostümen von Susanne Stehle, Videos von Christine Camenisch und Johannes Vetsch.

Es ist Inszenierung von und mit vorhandener Musik, Fragmentierung, Konstruktion, Kommentar. Es ist Winter als Kulturkonzept, Winterreise als Inspiration, ein kaltes Experiment. ||

MICRO OPER MÜNCHEN: WINTER
HochX | Entenbachstr. 37 | 9.–11. März,20 Uhr | 12. März,
18 Uhr | Tickets: 089 90155102