Hannes Wader ist ein Urgestein der deutschen Musikwelt. Nun macht er sich noch einmal auf den Weg.

Hannes Wader | ©Universal Music

»Ich weiß nicht, wie schwer mir der Abschied von der Bühne fallen wird und wie sehr ich Euch vermissen werde«, sagt Hannes Wader, der sich nun nach über 50 erfolgreichen Jahren im Rampenlicht mit einer Tournee von der Bühne verabschiedet. Dabei hatte er streng genommen schon viel länger auf der Bühne gestanden. Vor seiner Liedermacherzeit spielte Wader Saxofon und Klarinette in Jazzbands, dann wechselte der damalige Grafikstudent von Georges Brassens inspiriert zur Gitarre, mit der er 1966 sein Debüt als Liedermacher auf der Burg Waldeck gab.

Gerade mal drei Lieder hatte er dafür vorbereitet. Als das begeisterte Festivalpublikum ihn nicht von
der Bühne gehen lassen wollte, spielte er, ein wenig verunsichert, die Songs noch einmal. Als das Publikum dann noch weitere Zugaben forderte, flüchtete er in den angrenzenden Wald, von einem Heulkrampf geschüttelt. Reinhard Mey, der Waders Auftritt bewundert hatte, nahm Kontakt mit ihm auf. Bald darauf spielten sie gemeinsame Konzerte. Gleichwohl Wader sich anfangs relativ unpolitisch gab, avancierte er bald zum Sprachrohr einer linksalternativen Szene. Als solches wurde er auch schon mal während eines Konzerts verhaftet, weil seine Hamburger Wohnung während seiner Abwesenheit als Quartier der RAF genutzt worden war. Die angebliche NDR-Reporterin Hella Utesch, der er seine Bleibe während der Europareise überlassen hatte, war in Wirklichkeit die gesuchte Terroristin Gudrun Ensslin. Prompt wurde ein Medienboykott über Wader verhängt. Mithilfe der Solidarität anderer Liedermacher und Kabarettisten sowie der Treue seiner Fans, ging er aus jener Krise aber gestärkt hervor.

Bob Dylan konnte ihm zwar nicht verraten, wie er die Lieder fand, weil Wader selbst, wie er in dem Song »Langeweile« singt, noch vor der Antwort der amerikanischen Singer-Songwriter-Ikone von einem Parkwächter aus dem Traum gerissen wurde. Doch in Sachen Talking Blues schaffte es der gebürtige Westfale wie sein Vorbild bis zum fast 20-minütigen »Der Putsch«. »Wir sind davon überzeugt, dass diese Welt veränderbar ist, und dass diese Welt von Menschen, durch Menschen menschlicher zu machen ist«, hatte Wader einmal gesagt, und viele Musiker standen ihm dabei zur Seite.

Es kam zu gemeinsamen Auftritten mit Konstantin Wecker, Dieter Süverkrüp, Franz Josef Degenhardt. Seine Kooperationen mit der DDR wurden dem der DKP beigetretenen Wader fast wieder zum Verhängnis. Davon war aber keine Rede mehr, als ihm 2013 der Echo fürs Lebenswerk verliehen wurde. Zusammen mit den Toten Hosen sang er damals sein bekanntestes Lied »Heute hier, morgen dort«. Dieses Lied zählt längst schon zu den neuen deutschen Volksliedern. Wader selbst eröffnet damit jedes seiner Konzerte. Es sei das Stück, das er am besten beherrsche, hatte er mal zugegeben. Und darum sei es auch das Lied, mit welchem er sein Lampenfieber bis heute unter Kontrolle bekommt, wohl auch am 13. Februar, wenn er wahrscheinlich das letzte Mal in München zu hören sein wird. ||

HANNES WADER
Philharmonie| 13. Feb.| 20 Uhr | Tickets: 089 54818181
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