Mit Die Fantastischen Vier und Sido sind im Januar zwei Antipoden des deutschen Hip-Hop in München zu zwei Antipoden des deutschen Hip-Hop in München zu Gast – und keine bösen Buben weit und breit.

Sido | © Murat Aslan

Sido | © Murat Aslan

Hat es eigentlich je eine Frau in der Hip Hop-Geschichte gegeben, die maskiert aufgetreten ist? Mit männlichen Masken-Rappern könnte man jedenfalls locker einen gut besuchten Faschingsball ausrichten. Inklusive dem jungen Paul Hartmut Würdig aus Ostberlin. Der zog sich nämlich einen Totenschädel über und verwandelte sich damit in Sido, der als Gangsta-Rapper mit seinem Label Aggro Berlin den deutschsprachigen Hip-Hop aus jener Deutsch-Pop-Kiste befreite, in welche Bands wie Die Fantastischen Vier ihn einst gelockt hatten, mit Hits wie »Die da!?!«, »Tag Am Meer« oder »Sie ist weg«. Sidos »Arschficksong« war dagegen deutlich weniger radiotauglich.

Dafür konnte man mit diesem erheblich mehr Elternverbände in Panik versetzen. Und das war etwas, was der Popkultur irgendwann abhandenkam, eine deutliche Positionierung als Jugendkultur, die gegen die verstaubte Welt der Erwachsenen rebellierte. Wie konnte sie auch? Kaum haute Kurt Cobain aus Seattle in die Saiten, fiel Papa schon ein, dass da auch Hendrix herkam, der heimliche Ahnherr von Nirvana. Und eh der Sohn und die Tochter sich im Konzert verabreden konnten, standen Papa und Mama schon in der ersten Reihe des Jungbrunnens Rockkonzert.

Mit Techno als Sound jenseits des Musikbegriffs der Eltern hätte es fast geklappt, wäre da nicht dieses Kraftwerk Album in der Plattensammlung, das plötzlich Verständnis für Technopartys weckte.
Blieb also nur noch der Hip-Hop. Und lange blieb dessen »Sprechgesang« von den Alten als lächerlich verachtet. Doch Bands wie Die Fantastischen Vier trugen ihn dann doch ins Mainstream-Radio- und -Fernsehprogramm. Wobei sie übrigens zugleich etwas Großartiges geleistet hatten: Sie schufen nämlich auch einen Hip Hop für weiße Mittelschichtangehörige, die erstmals nicht mehr so tun mussten, als kämen sie aus der Bronx, derweil sie sich den ganzen Tag vor dem gefüllten Kühlschrank langweilten.

Nach der berechtigten und notwendigen Sozialkritik im Rap der Advanced Chemistry überzeugten Die Fantastischen Vier mit der fröhlichen Seite der Musik. Party statt Sozialkritik, mit freundlichen Grüßen. Und mit einem MTV Unplugged-Konzert, das der geläuterte Sido später auch angeboten bekam, mit Gästen wie Kurt Krömer, die nun die humorvolle Seite des einstigen Elternschrecks unterstrichen. So wie die Mitglieder der Fanta 4 immer häufiger in Familienprogrammen des deutschen Fernsehens aufgetaucht waren, saß plötzlich auch der einstige Bürgerschreck in der Jury einer Castingshow des ORF.

Ohne Maske sieht Sido ja ganz manierlich aus, fast schon ein wenig zu weich für sein hartes Image. Fast wie einer der »Männer mit Vaginas«, die er auf seinem neuen Album »Das Goldene Album« zusammen mit dem Rapper Estikay genretypisch sexistisch als Verlierer beschimpft. Brauchen also Hip Hop-Frauen eine Maske? So, als hätten sie zu viele Comics gelesen? Nicht wirklich. Immerhin verkauften die Mädels von Tic Tac Toe ganz ohne Totenschädel mehr Alben als Sido. Sogar mehr als Fanta4! ||

DIE FANTASTISCHEN VIER
Olympiahalle| 17. Jan.| 19.30 Uhr
Tickets 089: 54818181 | Olympiapark

SIDO
Muffathalle| 24. Jan.| 20 Uhr
Tickets 089: 54818181 | Muffatwerk